CI OP – Das große Erwachen nach der OP – Wie fühlt es sich an?!

CI - Die Operation

Meine ersten Erinnerung nach der Cochlea Operation sind die Folgenden:

Ich liege in einem Bett im Aufwachraum. Ich gehe kurz in mich und gehe gedanklich eine Checkliste durch:

1) Gesicht bewegen? => funktioniert noch! Der Gesichtsnerv wurde nicht verletzt!

2) Schmecken mit der Zunge? => funktioniert noch! Der Geschmacksnerv wurde nicht verletzt!

3) Schmerzen? Leichtes Stechen im Ohr (wie eine Nadel), Spannen der linken Kopfhaut (man kann den Chip förmlich spüren) aber alles erträglich, der Druckverband spannt

4) Schwindel? Natürlich nicht! Das ist einer der wenigen Vorteile, wenn man sein Gleichgewichtsorgan bereits verloren hat 🙂

Alles vermutlich im grünen Bereich, Euphorie steigt in mir auf, da nun ein wichtiger Meilenstein geschafft ist. Scheinbar ist trotz der schwierigen Ausgangsbedingung der Chip im Kopf verbaut. Matrix lässt grüßen.

Ich gehe auf Nummer sicher und Frage eine Anästhesieschwester neben mir: „Hat die OP geklappt?“ Sie schaut mich nur genervt an und erwidert: „Das Fragen Sie mich jetzt schon zum 10. Mal. Ich sage es Ihnen nun nicht schon wieder. Außerdem darf ich das nicht. Fragen Sie nachher den Arzt.“ Ups, da scheine ich wohl doch noch Nebenwirkungen von der Narkose zu haben. Außerdem war mir klar, dass es statistisch gesehen ja nicht nur freundliche Mitarbeiter hier geben kann.

Meine Frau erscheint und ich freue mich riesig darüber. Sie wollte am Morgen unsere drei Kinder in den Kindergarten bringen und danach gleich nach Freiburg fahren. Nun kann ich ja sie löchern 🙂 Ich hatte mit der Professorin vereinbart, dass sie nach der OP direkt zu meiner Frau geht und ihr berichtet. Meine Frau scheint erleichtert zu sein und bestätigt mir ein überraschend positives Ergebnis der nicht einfachen OP.

Nichts desto trotz habe ich meine Frau wohl noch mehrmals nach dem Ausgang der OP gefragt, das war mir eben trotz der Narkosemittel wichtig (nachvollziehbar denke ich, so in etwa ist also Alzheimer…)

Vier Stunden nach Operationsbeginn laufe ich bereits mit meiner Frau umgezogen in den Aufenthaltsraum zum Kaffee trinken. Unglaublich, dass das so schnell nach so viel Handwerk im Schädel funktioniert! Meine Nase blutet nur etwas. (Vermutlich ist man nicht unbedingt so schnell mobil, wenn man Schwindel spüren kann).

Um meinen ältesten Sohn zu beruhigen (der Arme war ganz schön angespannt) filmt meine Frau ein lustiges Video direkt nach der OP von mir (Tanze in OP Klamotten durchs Zimmer). Ich denke, dadurch kann ich ihm am meisten kindgerecht vermitteln, dass alles OK ist 😀

Tipp zur Schmerzvermeidung nach der OP:

Der individuell gefühlte Schmerz auf einer Skala von 1 (wenig) bis 10 (viel) liegt nach der OP bei mir so ungefähr bei 5. Wenn ich jedoch aufstoßen muss oder irgendetwas mit Druckveränderung im Mittelohr aus versehen mache, fühlt es sich kurzzeitig wie ein Nadelstich im Ohr an (>>5). Das lässt sich vermeiden, indem man natürlich nur Wasser ohne Gas trinkt und beim Aufstoßen den Mund öffnet. Wenn die Nase läuft, nicht schneuzen (Luft aus), sondern nur schniefen (Luft ein).

Das Essen und Reden macht etwas Beschwerden, da der Kaumuskel in den operierten Bereich führt. Schlucken von Nahrung geht, kauen dagegen nur eingeschränkt. Auch das Lächeln will noch nicht so wirklich.

Cochlea Implant OP

Am Abend verlässt mich meine Frau wieder für die nächsten Tage und kehrt zu den Kindern zurück. Die erste Erleichterung über die geglückte Operation weicht so langsam und ein mulmiges Gefühl bezüglich der Nacht kommt auf.

Tipp zur ersten Nacht mit Cochlea Implantat:

Mir hat es geholfen auf dem Rücken mit angestelltem Kopfteil zu schlafen. Flach ist wesentlich unangenehmer und beim Kopfheben merkt man die Ausfräsung im Knochen. Daher sollte man dies vermeiden. Bei Bedarf kann man sich auch zusätzliches Schmerzmittel für die Nacht geben lassen.

Viel Schlafen ist leider nicht möglich, ich bin sehr häufig wach. Der Druckverband macht seinem Namen alle Ehre und ich weiß gar nicht genau, wie ich mich lagern soll. Doch mit der ersten Nacht ist auch meist das Schwerste geschafft!

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CI OP – der theoretische Ablauf – einmal Auffräsen und Bohren bitte!

CI - Die Operation

Grober Ablauf der OP (bei Fehlern bitte melden, sind Infos die ich noch im Kopf behalten habe):

Rasieren hinter dem Ohr

Anzeichnen der Lage der Komponenten

Desinfektion

Durchtrennen der Haut/ Weichgewebes hinter dem Ohr mit versetzten Schnitten

Fräsen eines Implantatbetts in den Schädel (teilweise Versenkung)

Fräsen eines Kanals zum Mastoid

Durchbohren des Mastoids und Wechsel auf das Mikroskop

Bohren eines Ganges durch den Knochen zwischen Gesichts- und Geschmacksnerv hindurch (Überwachung durch Elektroden im Gesicht und sensitiv durch Assistenzarzt)

Begutachtung des freiliegenden Mittelohrs

Einsetzen des Chips in das Schädelbett

Öffnung der Cochlea

(Bei Verknöcherung Fräsen eines Durchbruchs in der Cochlea)

Einführung der Elektroden in die Cochlea

Abdichtung der Cochleaöffnung mit Gewebe

Reaktion der Nerven auf elektrische Stimulation als QM

Röntgenaufnahme der Cochlea als QM

Legen der Potentialausgleichselektrode unter dem Ohr

Alles Aufräumen, fest verstauen und zumachen 🙂

Mich hat es beruhigt zu wissen was mit einem gemacht wird (nur OP Bilder unter google sind nicht unbedingt hilfreich…)

CI OP – Ab unters Messer

CI - Die Operation

Die Nacht war nicht sonderlich erholsam, eigentlich hätte ich schon um 2 Uhr Nachts von mir aus zur OP gehen können.

Mit nüchternem Magen und meinem Koffer begebe ich mich um 6.15 h nach der Kartenabgabe im ICF Richtung HNO. Dort werde ich recht unfreundlich von einem älteren Pfleger empfangen oder besser abgewiesen. Statt „Guten Morgen“ höre ich, dass ich zu früh bin (war so am Vortag ausgemacht worden…) und solle erst zur Anmeldung im HG gehen. Ohne Erfolg weise ich darauf hin, dass ich bereits seit 5 Tagen hier bin und gestern doch schon auf die Station aufgenommen wurde. Er ignoriert es und schickt mich weg. Naja, vielleicht hatte er einen schweren Nachtdienst…. Ab gehts wieder ganz nach unten in die leere Empfangshalle. DIe Information ist besetzt: „Nein, wir machen keine Anmeldungen, die Anmeldung öffnet um 7.00 Uhr. Ziehen Sie eine Nummer und nehmen Sie Platz.“ Ich komme mir vor wie Asterix und Obelix und der Passierschein (für alle die „Erobert Rom“ kennen werden wissen, was ich meine:) ). Da sitze ich also nun früh um 6.25 h wie bestellt und nicht abgeholt in einer leeren Halle vor geschlossenen Schaltern mit der Nummer 001. Zu allem Überfluss putzt der Reinigungstrupp mit Wischfahrzeug und Staubsaugern was das Zeug hält. Sehr erholsam für jemand mit Hyperakusis. Läuft ja alles super denke ich mir… Um kurz nach sieben Uhr ist die Anmeldung erledigt und ich fahre wieder in den 7. Stock. Dort steht ein Bett im Spielzimmer für mich bereit (alle Patientenzimmer sind noch belegt) und ich ziehe mein schickes OP Hemdchen und die Thrombosestrümpfe an.Danach nehme ich die „Mir alles egal“ – Pille dankend ein und warte darauf, dass es los geht.

Nun bessert sich der Tag schlagartig, denn eine meiner heimlichen Lieblingsschwestern fährt mich in den OP. Dort werde ich einer Anästhesieschwester übergeben. Ich wechsel vom Bett auf eine Liege. Die Krankenschwester bringt mich in die OP Vorbereitung, einem kleinen Raum mit viel Maschinen und Schläuchen. Dort kommt noch mehr Personal dazu. Jeder stellt die gleichen Fragen:

Wie war ihr Frühstück? (Hatte natürlich keines, man muss ja nüchtern bleiben um bei der OP nichts zu aspirieren)

Welches ist ihr taubes Ohr?

Haben sie das Markierungskreuz? etc.

Ein Narkosearzt legt mir einen Zugang. Oh, der fühlt sich gut an. Es ist wichtig, dass die gut liegen, sonst wird es nach einiger Zeit richtig ungemütlich damit nach der OP. Schließlich stellt sich der Oberarzt der Anästhesie vor, der ebenfalls zum mindestens 6. Mal an diesem Tag mir alle Fragen stellt. Mich stört das nicht, ich bin froh, dass da auf Nummer sicher gegangen wird, so soll das sein. Meine Hüfte und Arme werden festgeschnallt. Meine Herzfrequenz ist bei 95 Schläge/min, die Aufregung ist also trotz Pille noch etwas vorhanden. Nun wird die Narkose eingeleitet: Ich atme durch eine Maske zunächst reinen Sauerstoff ein. Dann spritzt der Oberarzt etwas in den Zugang und nickt seinem Assistenten zu. Dieser dreht das Narkosegas auf.

Tipp Narkose:

Beim Start der Narkose an eine schöne Erfahrung denken, damit man mit diesem Bild vor Augen einschläft. Ich denke immer an meine Kinder wie sie auf mir herumtoben

Nach einer Sekunde kommt ein starkes Kribbeln, dann riecht man eine Veränderung der Luft und plötzlich nach 3-5 Sekunden wird alles schwarz…

CI OP – der Tag davor – das große Warten

CI - Die Operation

Da die Kapazität für meine überraschend angesetzte OP (auf Station im 7. Stock der HNO Klinik) noch nicht vorhanden ist, verbringe ich zwei weitere Nächte im ICF (gibt schlimmeres 🙂 ). Leider fehlen durch dieses Improvisieren zwei Mal Mahlzeiten für mich, was ich aber natürlich gerne für die schnelle OP in Kauf nehme.

Den Vortag der OP verbringe ich im Aufenthaltsraum im 7. Stock. Klasse Aussicht hat man hier über Freiburg, wie in einem Penthouse.

Dort finden ein Aufnahmegespräch mit dem mir bereits vertrauten Arzt statt. Ich werde mit einem Kreuz (Textmarker) auf der tauben Seite für die morgige OP markiert. Besser ist das, eine einfache QM Maßnahme die hoffentlich absichert, dass das richtige Ohr operiert wird.

CI OPFür alle eitlen Menschen wie mich ein

Tipp:

Haare länger vor der CI OP stehen lassen, dann fällt die Narbe nach Entlassung gar nicht mehr auf, weil man sie überdecken kann.

Anschließend „beruhigt“ mich der Anästhesist mit allem was theoretisch schief laufen kann (Verlust des Geschmacknervs, Beschädigung des Gesichtsnervs, Hirnhautentzündung, etc. ). Aber das gehört eben dazu, ist rechtlich für die Klinik notwendig und nur fair gegenüber dem Patienten. Man muss ja umfassend wissen, auf was man sich einlässt.

Zu guter letzt findet ein Gespräch mit dem Operateur, in diesem Fall Frau Professorin Arndt, statt. Sie nimmt sich viel Zeit für meine Fragen und wir besprechen das Vorgehen bei der OP. Mich persönlich beruhigt es, wenn ich genau weiß, welche Schritte warum gemacht werden und was die Alternativlösungen bei Problemen sind. Nach dem Gespräch habe ich das Gefühl, dass ich die OP auch so durchführen würde an Ihrer Stelle, denn die Prozesse und Maßnahmen sind mir plausibel. Zusätzlich freue ich mich sehr, dass Frau Prof. Arndt (führend bei SSD) und sogar einer DER Ci Pioniere Herr Prof. Laszig (Klinikleitung HNO) im Doppelpack mich operieren. Wenn die beiden es nicht schaffen sollten, dann hätte es auch niemand anderes geschafft, denke ich mir.

Des Weiteren habe ich ein Gespräch zur Aufnahme bei einer netten Krankenschwester. Ich bin positiv überrascht, als ich nach meinen Vorerfahrungen in Kliniken gefragt werde:

Ich berichte, dass ich persönlich die Erfahrung gemacht habe in anderen Krankenhäusern, dass Ärzte mich häufig nicht befriedigend informierten und einfach nicht auf meine Fragen eingegangen sind (Probleme mit dem Zuhören). Die Pflegekräfte sind meist bemüht, jedoch ziemlich gestresst und sehr ausgelastet.

Sie notiert meine Anmerkungen. Ich finde diese Maßnahme sehr gut, da sie für Transparenz der Erwartungshaltungen des Patienten gegenüber dem Pflegepersonal sorgen. Wenn dann noch individuell darauf eingegangen wird, dann ist das wirklich bemerkenswert. Da können sich andere Kliniken eine Scheibe davon abschneiden.

Viele Stunden und noch mehr Kaffee später kehre ich ins ICF für meine letzte Nacht als Mensch ohne Metall zurück. Ich genieß die vorerst letzte Dusche (Kreuz nicht abwaschen!) und schlafe erstaunlicherweise weniger angespannt als vor dem Promontoriumstest ein.

Tipp am Vorabend der OP:

Am Vorabend der OP letzte Dusche (mit Haaren) genießen

Auf der zu operierenden Seite schlafen (wird dauern, bis das wieder gemütlich geht)