EA Tag 4: Die ersten Ergebnisse: Was bringt das Cochlea Implantat?

CI - Erstanpassung und Reha

Neuer Tag, neues Glück. Wie gewohnt lege ich mir sofort nach dem Aufstehen mein Cochlea Implantat an. Ahhh, da ist sie wieder, die schöne, neue akustische Welt. Das Wasser beim Waschen hört sich schon wieder verändert an bilde ich mir ein, klarer und heller. Unglaublich, wie achtsam ich seit der Aktivierung des CIs den Tag über Geräusche wahrnehme, ohne dass ich mich speziell darauf fokusiere. Heute wird ein Power-Tag! Das vollste Programm meiner Erstanpassung lacht mir entgegen. So mag ich das 🙂 Als runter an den Frühstückstisch und zur Abwechslung mal Kaffee mit Coffein rein in den Körper. Ja, ich trinke häufig ohne. Nein, es hat nichts mit dem CI zu tun 😉 Zwei Brötchen später fängt das Doping an zu wirken und ich mache mich bereit für das Highlight der Woche! Hörtests in der Audiologie stehen an.

Audiologie

Zur Audiologie muss ich genau 1,5 m den Speisesaal verlassen und schon bin ich im schalldichten Raum. Natürlich bin ich hoch motiviert, ein erstes „objektives“ Ergebnis über die Veränderungen meiner persönlichen  akustischen Wahrnehmung zu erhalten. Bereits vor der OP wurden die gleichen Tests durchgeführt (ohne Hilfsmittel, mit Cros und mit Baha). Im Laufe der mehrjährigen Reha wird dieser Test wiederholt und der Lernprozess dadurch sichtbar. Auch für die Wissenschaft werden die Ergebnisse für Studienzwecke herangezogen. Man, es wird echt Zeit, dass ich endlich dazu komme, die Ergebnisse der vielen Studien zu den Vorteilen eines CIs bei einseitiger Taubheit in einem Beitrag zusammenzufassen….. Los geht die Testreihe. Auf dem Programm stehen der Oldenburger Satztest und der Freiburger Einsilbertest.

Beim Oldenburger Satztest werden wiederholt Sätze gleichen Satzbaus aus fünf Wörtern gebildet. Die Wörter werden aus einer vordefinierten Menge dabei durch das Zufallsprinzip miteinander kombiniert. Daher gilt: Beim Oldenburger keinen Sinn suchen, sondern nur das wiedergeben (und zwar alles) was man wahrnimmt. Ich bilde wieder fleißig mit geschlossenen Augen lustige Sätze oder Wortfetzen.

Das Freiburger Sprachaudiogramm (oder Freiburger Wörtertest, Einsilbertest, etc…) beschränkt sich auf das Hören eines Wortes im Störgeräusch. Die Lautstärke des Störgeräuschs wird dabei den Ergebnissen des Probanten angepasst. Der Grenzbereich des Sprachverständnisses wird also ermittelt. Das Ganze wird mit Zahlen und einsilbigen Substantiven durchexerziert. Das Zahlenverstehen flutscht ohne Probleme durch, die Wirkung des Kaffees ist noch voll da 😉 Mit den Wörtern wird es schon anspruchsvoller.

Wer nun noch einen Hannover- oder Berlinertest vermutet, die kamen nicht vor 🙂

Direkt im Anschluss erhalte ich die Auswertung in die Hand gedrückt und die Audiologin verabschiedet sich. Ich hake natürlich nach, was die Diagramme bedeuten und sie nimmt sich nochmal Zeit für mich und erklärt kurz das Papier in meinen Händen.

Hörkurve einseitige TaubheitZunächst sieht man im ersten Audiogramm, Überraschung, ich bin links ohne CI taub und rechts normalhörend. Das Zweite ist da schon wesentlich aufschlussreicher:

Sprachaudiogramm Freiburger Wörtertest

Im Oldenburger Satztest konnte ich 77 % der Wörter verstehen (dachte vom Gefühl, es wären weniger). Beim Freiburger Sprachverständlichkeitstest verstand ich 50 % der einsilbigen Substantive und 100 % (!!!!!!!!) der Zahlen im Störlärm. Yeah, bin sehr zufrieden mit den Erfolgen mit dem Cochlea Implantat und fühle mich einmal wieder bestätigt in meiner Entscheidung dafür! Mit viel Coffein und Endorphinen im Blut nimmt der Morgen weiter seinen Lauf. Schön, dass nach all der Ungewissheit, ob das CI überhaupt noch medizinisch funktioniert, so ein erfreuliches Ergebnis heraus kommt! Das Ergebnis ist bei Weitem nicht selbstverständlich! Einen Vergleich mit den Tests vor der OP (Ergebnisse habe ich leider momentan nicht, besorge ich beim nächsten ICF Aufenthalt) liefere ich euch nach.

Anpassung Technik

Nun geht es direkt weiter zum Techniker. Dieser nimmt keine neuen Einstellungen vor, da wir uns voll und ganz dem Technikzubehör widmen wollen. Bisher hatte ich den Sprachprozessor mit Spule, die Fernbedienung und ein paar Batterien. Nun kommt noch eine Menge anderer Zubehörteile in einem Koffer dazu. Da die Beschreibung des Inhalts den Tagesberichtsumfang der Erstanpassung sprengen würde und ich hoch erfreut bin über so viel Sonderausstattung (sponsored by Krankenkasse), widme ich hier dem Koffer seinen verdienten Extrabeitrag. Lasst uns doch einmal gemeinsam einen Blick hineinwerfen:

Cochlear Implantat Nucleus 6 – der Zubehörcheck

Logopädie

Heute führt die Logopädiestunde eine junge Dame durch, die unsere letzten Sitzungen lang als Auszubildende hospitierte. Zum Start wünsche ich mir gleich eine schwere Herausforderung (habe mir  ausnahmsweise Kaffee mit Coffein heute morgen gegönnt, der bringt mich in Fahrt 🙂 ). Gut, soll ich bekommen… Das Audiokabel wird in den Sprachprozessor eingestöpselt und los gehts nur über die CI Seite. Drei verschiedene Wörter eines gemeinsamen Themenfelds werden vorgespielt. Nach dem Anhören soll ich das dazugehörige Themenfeld benennen. Ich erfasse noch nicht alle Wörter auf anhieb. Braucht es auch gar nicht bei dieser Übung, da ich auch mit Lücken das Themenfeld recht  gut assoziieren kann. Ich wills härter! 🙂 Ok, nächstes Level. Eine Liste mit je drei Wörtern je Zeile, die sehr ähnlich klingen (in etwa Feld, Geld, Held), liegt vor mir. Ein unbekanntes Wort wird übers CI eingespielt und ich soll nennen, welches der drei Wörter es jeweils ist. Diese Übung klappt ebenfalls recht zügig und wir ziehen deshalb die komplette Liste durch. Ich halte immer meine Augen geschlossen, um die maximale Konzentration auf dem Gehör zu haben. Puh, gegen Ende merke ich, wie sich langsam die Ermüdung breitmacht. Nun muss ich doch das ein oder andere Wort wiederholen lassen. Unterm Strich weiß ich jedoch das Sprachverständnis, das ich bisher aufbauen konnte, sehr zu schätzen! Nimm das Verknöcherung!

Psychologie

Die Belastungen einseitiger Taubheit (geschweige denn bei einer vollständigen Ertaubung) und vor allem der häufigen Begleiterscheinung Tinnitus (nie mehr Ruhe!) bei Spätertaubungen kann sehr massiv sein und sich auch auf das Sozialverhalten auswirken.

Deshalb hat jeder Patient standardmäßig am ICF ein Gespräch mit einer Psychologin bei der Erstanpassung. In den daraufhin folgenden Reha-Aufenthalten kann jederzeit über die Logopädie ein neuer Termin angesetzt werden. Zunächst versucht mir die Psychologin mit Samthandschuhen die Vorteile und den Nutzen einer psychotherapeutischen Arbeit näher zu bringen. Ich weise sie gleich darauf hin, dass ich vom Benefit ihrer Tätigkeit überzeugt bin. Der Nutzen, um möglichst schnell wieder neben dem körperlichen auf die Beine zu kommen, ist mir bewusst. Daraufhin führen wir das Gespräch gleich auf einer ganz anderen Ebene fort. Sie stellt heraus, dass sie mit den wenigen Terminen keine Therapie bieten kann, sondern lediglich eine Hilfestellung bei offenen Fragen und Anliegen leisten kann. Verständlich, wenn man bedenkt, dass eine klassische Kurztherapie bei einem Psychologen 40 Sitzungen umfasst.

Hiermit möchte ich anderen Betroffenen Mut machen und den Nutzen von psychologischer Arbeit bei einseitiger Ertaubung unterstreichen. Natürlich kann man versuchen alles mit sich selbst auszumachen, jedoch ist es meist deutlich effizienter, professionelle Unterstützung zur Bewältigung von belastenden Themen in Anspruch zu nehmen (auch wenn viele, mich eingeschlossen, eine ziemliche Hemmschwelle beim ersten Mal dafür haben). Ich für mich persönlich bin froh, möglichst schnell Leistungsfähigkeit wieder herzustellen und spüren zu können.

Freizeit

Nach diesem anstrengenden Rehaprogramm möchte ich mir etwas Ruhe gönnen. Deshalb nutze ich das schöne Wetter für einen Spaziergang vom ICF aus zum Seepark, der direkt in der Nähe liegt. In dieser Parkanlage fand eine Landesgartenschau in der Vergangenheit statt. Ich genieße die Aussicht von einem Turm und umrunde den See. Leider hat der einladende Biergarten noch nicht geöffnet.

Fazit

Trotz des Schocks der Voruntersuchung nimmt die Geschichte CI für mich persönlich scheinbar einen positiven Ausgang. Die Ergebnisse übertreffen bei Weitem meine Erwartungen und ich bin darüber sehr dankbar. Nimm das Verknöcherung!

 

EA Tag 3: Mehr Dynamik und Musik ab!

CI - Alltag mit dem Sprachprozessor, CI - Erstanpassung und Reha

Und täglich grüßt das Murmeltier… Die Routine macht sich langsam hier bei der Erstanpassung breit. Sprachprozessor „ran an den Kopp“ und los gehts in den neuen Tag. Für heute habe ich mir nach meinem kleinen Turbo und dem vollen Programm gestern verordnet, einen Gang nach unten zu schalten (ich hasse es….). Doch was ist da im Bad beim Waschen wahrzunehmen? Das hört sich ja schon fast mehr nach plätscherndem Wasser als nach Kreissäge an, was da in den Abguss fließt. Sehr fein…

Anpassung Technik

Nachdem ich im Laufe des gestrigen Tages mehrmals die Lautstärke reduzieren musste und die Herabstufung der Frequenz drohte, kann ich die Lautstärke zum Glück wieder steigern.

Und damit nicht genug, denn der Techniker hat erneut einen Trick parat um zu zaubern! Diesmal knöpfen wir uns die Dynamik vor. Diese beschreibt die Breite des Dezibelfensters im Frequenzband (hoffe ich habe das richtig verstanden). Mit anderen Worten wird das Spektrum (die Grenzen der minimalen und maximalen Ausschläge der Amplituden) erweitert. Das geht nur, wenn der Hörnerv das mitmacht. Da ich die sehr leisen Töne bei allen Elektroden noch im Test erkennen kann, belassen wir diese Einstellung. Die empfundene Qualität der modulierten Geräusche wird etwas besser. Der Sprung ist aber eher ein kleiner Hüpfer im Vergleich zur gestrigen Veränderung der Frequenz. Dennoch freue ich mich über diese Anpassung.

Der Impedanztest wird, wie jeden Tag, erneut durchgeführt. Die Übergangswiderstände haben sich erneut verkleinert (das ist gut!). So sehen die drei bisherigen Messkurven in der Gegenüberstellung aus:

Cochlea Implantat ImpedanzenSorry für die miese Bildqualität, habe nur ein altes Gurkenhandy 🙂

Visite

Ziemlich unspektakulär und kurz (wobei im Vergleich zu einer Chefarztvisite eine Ewigkeit 😀 ) Es wird, überspitzt formuliert, geschaut, ob ich zwei Ohren habe und nirgendwo auslaufe 😉 Ein bisschen Zeit für netten Smalltalk bleibt dennoch.

Logopädie

Heute wagen wir uns an fremde Wörter ohne Hilfestellung (wie Bildchen). Das klappt mal gut, mal gar nicht. Kommt ganz auf die Laute darauf an. Bin dennoch sehr zufrieden, da ich den Großteil interpretieren kann. Als ich der Logopädin erzähle, dass ich den Klang von Wasser so, wie ich als Franke sage, „dodal doll“ heute Morgen fand, bekomme ich eine Herausforderung. Es gilt die Geräusche: Rudern, Duschen, Tropfender Wasserhahn, Regen, Fließender Wasserhahn und Schwimmen außeinander zu halten. Puh, da muss ich mich aber ordentlich konzentrieren und halte die Augen geschlossen. Zunächst klappt die Unterscheidung recht gut, dann zollt jedoch die hohe Konzentration ihren Tribut. Ich fühle mich recht erschöpft und mache häufig Fehler. Ist aber halb so wild, habe bewusst um diese Herausforderung gebeten und empfinde es trotzdem als sehr positiv, überhaupt unterschiedliche Qualitäten von Wasser so schnell hören zu können. Wusste bis heute noch gar nicht, dass so etwas überhaupt jemals mit einem Cochlea Implantat funktioniert…

Musiktherapie

Ich komme in den Genuss einer Einzelsitzung mit der Musiktherapeutin. Wir führen ein sehr gutes Gespräch zum gegenseitigen Kennenlernen und über die Bedeutung von Musik in meinem Leben. Dabei fällt mir auf, das die Rolle der Musik und die Einflüsse darauf durch die Ertaubung und das CI immens sind. Deshalb widme ich dem Thema einen eigenen Beitrag (Dank an meine Musiktherapeutin 😉 ).

Zum Abschluss der Sitzung nehme ich Platz auf einem Klangstuhl und konzentriere mich auf den CI Sound und die Vibrationen der Musik.

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Habe davon noch nie gehört oder so ein Ding gesehen. Interessante Idee so ein Klangstuhl, der könnte meinen Kindern sehr gut gefallen. Das schreit förmlich nach einem Selbstbauprojekt für zu Hause 🙂

Freizeit

Abends trifft ein SSDler zu seiner 3. Anpassung im ICF ein, mit dem ich über den Blog und das DCIG Forum im Vorfeld etwas Kontakt hatte. Halleluja, da hat der Deckel seinen Topf gefunden! 😀 Wir quatschen bis tief in die Nacht und es tut richtig gut, das erste Mal sich so wirklich mit einem Gleichgesinnten auszutauschen! Sehr viele Empfindungen, Entwicklungsphasen, Herausforderungen und Gedanken sind deckungsgleich. Wir lachen viel und morgen brauche ich wohl einen starken Kaffee…

Fazit des 3. Tages der EA:

Routine macht sich bei der Erstanpassung breit und der Tag „nur“ im ICF liefert mir wieder neue Energie. Zudem keimt in mir die Erinnerung auf, dass Musik viel mehr als nur Klang ist und auch mit einer Hörbeeinträchtigung genossen werden kann. Man muss sich nur auf das konzentrieren, was man kann, nicht auf das, was man nicht kann.

Austausch mit Gleichgesinnten ist Balsam für die Seele!

Hier ist ein Thread zu diesem Beitrag im DCIG Forum

EA Tag 1: Hello World und Donaudampfschifffahrtsgesellschaft

CI - Erstanpassung und Reha

Am Vorabend reise ich bereits gemütlich an und schaue zum Einschlafen die Klassiker der Entspannung „Hänsel und Gretel“ und „300“. 🙂 Kurz nach Mitternacht fühle ich mich endlich müde genug zum Einschlafen. Einschlafprobleme trotz des tollen Ambientes des ICF bin ich ja schon gewohnt … (Vor der VU, vor dem Promontoriumstest und der Ergebnisverkündung, vor der OP)

Tag 1 des Lebens mit CI

Die Aktivierung des CIs

Was das Jahr 0 für die Christen ist, ist der heutige Tag für mein akustisches Leben. Ab nun beginnt (hoffentlich) eine neue Zeitrechnung. In meiner Erinnerung wird es immer Tage vor und nach der Inbetriebnahme des CIs geben 😉 Ist natürlich Schmarrn, wenn dann gibts die Tage vor und nach der Ertaubung, dennoch ist dieser Tag sehr wichtig für mich.

Pünktlich um 9.15 h, mit einem Frühstück gestärkt, stehe ich vor der Tür des Technikers und warte super gespannt auf die gleich folgende erste Inbetriebnahme des Implantats, vier Wochen nach der Operation! Meine Fingernägel sind nun ein gutes Stück kürzer 😉 Dem Moment des ersten Einschaltens des CI habe ich natürlich einen eigenen Beitrag gewidmet. Taubheit ade! Wie ist das erste Hören mit CI (direkt nach der Inbetriebnahme verfasst).

Logopädie

Die ersten akustischen Herausforderungen stehen nun an. Nach einer kurzen Anamnese startet eine Logopädin ein Hörtraining mit mir. Dazu werden mir kleine Karten mit Bildern vorgelegt und der Sound dazu abgespielt. Fühlt sich zunächst recht sinnlos an, da ich auf dem gesunden Ohr ja alles mitbekomme und das CI noch sehr leise geschalten ist. Besser wird das Ganze, nachdem ich die Geräusche nur noch per Datenkabel direkt auf das CI bekomme.

Was? Das war eine Katze? Ich bin mir sicher, die Arme muss zum Einen jämmerlich bei der Tonaufnahme verstorben sein. Zum Anderen hätte ich auch geglaubt, dass das eine HILTI, das Öffnen einer rostigen Schraube oder das Rammen des Eisbergs durch die Titanic ist, falls das jemand behauptet hätte. Naja, Katze also 🙂 Tiefe Frequenzen fallen mir da deutlich leichter, etwa Froschgequake oder Gewitter.

Bei der nächsten Übung werden mir zunächst Töne mit echten Instrumenten vorgespielt (Triangel, Rassel, Glocke, Trommel,…). Danach kommt wieder die digitale Variante nur über das CI. Die meisten Instrumente erkenne ich ohne Probleme, nicht am Klang im Sinne von vertrauter Tonlage, sondern anhand charakteristischer Eigenschaften. So klingt die Triangel lange aus, auch wenn sich der Ton absolut nicht nach dem hellen Klingeln einer Triangel anhört. Eine Rassel und eine Glocke sind für mich in mehreren Versuchen nicht unterscheidbar. Damit man sich das als nicht CI-Träger besser vorstellen kann, habe ich das Ganze in einer Zeichnung veranschaulicht.

Hören mit Cochlea ImplantatLinks ist der reale Klang der Instrumente Glocke und Rassel versinnbildlicht. Die Wahrnehmung ist klar mit vielen Details. In der Mitte sieht man die Wahrnehmung ohne Gehör. Außer wirrem Tinnitus, der nichts mit der Umwelt zu tun hat, ist nix los. Schließlich Rechts ist die neue Wahrnehmung mit CI. Der Tinnitus formiert sich zu etwas, über das man durch abstrahieren auf die Realität schließen kann. Doch zwischen Rassel und Glocke ist kein Unterschied feststellbar (könnte auch eine Taschenlampe sein 🙂 ).

Die finale Meisterübung des ersten Tages besteht darin, einzelne Wörter mit unterschiedlich vielen Silben nur über das CI zu erkennen. Zunächst verstehe ich absolut gar nichts, kann höchstens die Silben einigermaßen mitzählen. Doch dann habe ich aus dem Nichts zwei klare Treffer: „Eis“ und „Schokolade“ sind die ersten historischen Worte 🙂

Nach diesen ersten Erfolgen jedoch kommt der absolute Knaller: „Was, das war doch eher ein Satz als ein Wort, oder?“ ist meine erste Reaktion. Auf den Scrabble Killer „Donaudampfschifffahrtsgesellschaft“ wäre ich wirklich nie gekommen!!!! 😀

Nachmittags schaue ich beim Sozialen Dienst vorbei. Dort wird mir bestätigt, dass mehr als Grad 20 bei einseitiger Taubheit nicht vom Versorgungsamt angerechnet wird. Das ich noch Beeinträchtigungen habe durch den Verlust des linken Gleichgewichtorgans und den starken Tinnitus bewirkt da auch nichts. Denn die Beeinträchtigungen werden nicht addiert, sondern nur die Stärkste zählt. Wer sich das wieder ausgedacht hat… Erfahrungswerte, ob einseitige Taubheit als chronische Erkrankung zählt und dadurch die gesetzliche Zuzahlung bei der Krankenkasse entfallen kann, liegen keine vor (weiß das jemand von euch?)

Freizeit

Den Nachmittag stürze ich mich ins Geräuschgetümmel der Freiburger Innenstadt. Es ist zwar sehr stürmisch und der Wind bläst mir stark ins Gesicht. Doch ich freue mich heimlich wie ein König, wieder auf zwei Ohren plötzlich Windgeräusche wahrnehmen zu können!!!! Irgendwie fühle ich mich mehr in meiner Mitte wieder.

Fazit des ersten Tages

Der Höreindruck mit CI ist in Realität noch viel surrealer als in den Simulationen! Dennoch nehme ich nur sehr missmutig den Sprachprozessor zum Einschlafen am Abend ab.

Vergleich mit der Starterwartungshaltung

A) Mit dem CI hört sich alles zunächst fremd und unnatürlich an – man freut sich dennoch, dass man überhaupt wieder etwas hört.

Confirmed, wobei fremd noch etwas untertrieben ist 🙂
B) Fast alle Geräusche klingen komplett anders und man ist wohl zunächst häufig irritiert.

Busted, da ich mich schon lange nicht mehr von akustischen Informationen/Fehlinformationen irritieren lasse. Eine Folge des Verlusts vom Richtungshören
C) Richtungseindrücke lassen sich schon zu Beginn wieder etwas besser einordnen.

Busted, kann da noch nichts zuordnen.
D) Die Kopfhaut wird etwas schmerzen zwischen CI und Implantat.

Busted, habe es den ganzen Tag rastlos getragen, keine Schmerzen (3er Magnet)
E) Die Eindrücke über das CI wirken zunächst z.T. sehr laut und man ist schneller ermüdet

Confirmed, empfinde viel Lautstärke, jedoch komischerweise nicht von den künstlich erzeugten Geräuschen. Der Hörnerv muss wohl allgemein erstmal hochfahren nach dem Winterschlaf…
F) Am Ende der EA lassen sich vereinzelt Wörter verstehen

Confirmed, kann schon am ersten Tag vereinzelt Wörter nur über das CI erkennen

Mehr Austausch zum Thema hier im DCIG Forum

Taubheit ade! Wie ist das erste Hören mit CI?

CI - Erstanpassung und Reha

Hören  oder nicht hören, das ist hier die Frage nach einem Jahr einseitiger Taubheit!

Der Promontoriumstest verlief im Vorfeld ganz ordentlich, doch macht sich die Verknöcherung bemerkbar?

Direkt zum ersten Eindruck nach dem spannenden Moment des Einschaltens des Cochlea Implantats ohne viel Blabla im Vorfeld (Beitrag 1h nach Inbetriebnahme geschrieben):

„Das klingt wirklich so abgefahren wie in den Simulationen!!!! Nein, die Realität ist eigentlich noch viel surrealer. Was für ein Paradoxon!!!“

Es ist nicht nur eine metallische Roboterstimme, die man nicht versteht. Vielmehr hört es sich danach an, als ob sich die chaotischen Einzeltöne des Tinnitus plötzlich stellenweise bündeln und mit hohem Fietschen die Umgebungsgeräusche in Klirrkompositionen nachahmen. Bildlich gesprochen wird das permanent tosende, unberechenbare Tinnitusmeers des letzten tauben Jahres durchbrochen. Plötzlich fliegen von außerhalb Geräuschsteine heran und türmen jeweils beim Einschlag für Sekundenbruchteile die vielen wilden Einzelwellen zu einem hohen Wasserberg auf. Nach diesen Impacts fällt die Wassersäule sofort wieder in sich zusammen in die tosenden, chaotischen Einzelwellen des rauhen Tinnitusmeers.

Wem das zu viel Pathos ist hier die Kurzform meiner persönlichen Empfindung am ersten Tag mit elektronischem Ohr:

Das Hören mit CI am ersten Tag ist die punktuelle Überführung des Tinnitus in einen geordneten Zustand.

Der Sprachprozessor ist erstaunlich leicht und das Ansetzen der Spule drückt gar nicht so stark wie ich es vermutet hatte. Eigentlich merke ich gar keinen Druck. Wenn ich an die NdFeB-Magnete denke, die ich auf der Arbeit (Elektromotoren) verwende… Die könnten einen schon übel den Finger abquetschen, wenn man diese aus Versehen flitzen lässt. So viel Power ist natürlich nicht für das Halten der Spule (zum Glück) nötig 😉

Der Höreindruck wirkt sehr laut auf der CI Seite, wobei komischerweise das Empfinden von Lautstärke nicht durch die simulierten Geräusche verursacht wird. Nein, der Tinnitus wirkt nun extrem schrill und laut im Vergleich zu den Höreindrücken. Der Hörnerv ist merklich aus seinem Dornröschenschlaf geweckt worden und kann die Augen kaum öffnen, so hell blendet ihn das sanfte Morgenlicht des neuen akustischen Tages.

Die Lautstärke des CIs ist auf 1 eingestellt. Alle zwei Stunden soll ich diese nun im Laufe des Tages um eine Stufe anheben, solange es noch angenehm für mich ist. Der Hörnerv soll also milde geweckt werden an diesem Montag Morgen und nicht ins kalte Wasser geworfen werden. Das Gefühl Montag Morgen kann vermutlich jeder nachvollziehen 😀

Ich fühle mich auch noch ziemlich erschöpft, da ich vor der EA noch mit einer Erkältung zu kämpfen hatte und wenig geschlafen habe in der Nacht. Auch wenn einen keine 2jährigen Zwillinge nachts wach halten, mein Körper kann eben nicht sofort auf Durchschlafen umswitchen. Zum anderen bin ich nun froh, weil ich jetzt weiß, dass alle 22 Elektroden in meinem Kopf funktionieren (Impedanzmessung) und ich jede Einzelne „hören“ kann (Tonleitertest).

Beim Richtungshören tut sich erstmal kein merklicher Unterschied auf.

Auch die gefühlte Klangfülle im Raum bleibt eigentlich zunächst unverändert. Bei der ersten Inbetriebnahme eines Cros Versorgungsgerätes vor einem halben Jahr öffente sich schlagartig der „geschachtelte“Höreindruck, da der Kopfschatten (Schallloch auf der tauben Seite) plötzlich weg war. Diesen Effekt habe ich mit dem CI nicht so wahrgenommen, da die Lautstärke und die Verständnisqualität noch sehr gering sind.

Umso imposanter ist der Koffer, in dem der sympathische Techniker den Sprachprozessor herauskramt.

Cochlear Set

Der Koffer ist voll mit Verpackungen und so groß wie mein üblicher Handgepäckstrolley auf Flugreisen 😀 Ja, die Nachfrage bestätigt es, das ist alles für mich 🙂

Ich schwanke also zwischen verdutzt sein, grinsen und Leere. Dennoch Daumen hoch!

Inbetriebnahme CIHier das Video zur Inbetriebnahme (Leider war die Kamera zeitweise verrutscht….)

Im DCIG Forum ist u.a. hier ein Thread dazu.