Musik genießen trotz einseitiger Taubheit?

CI - Alltag mit dem Sprachprozessor

Zum Thema Musik werde ich häufig angeschrieben: Kann man als Mono irgendwann wieder Spaß an Musik empfinden? Ich möchte Bilder und Ton antworten lassen in dem nachfolgenden Video eines einohrigen Freundes mit Cochlea Implantat am Keyboard.

Doch auch für ihn war es ein langer, steiniger Weg nach der plötzlichen einseitigen Ertaubung, dem Tinnitus, der Geräuschüberempfindlichkeit und dem Erlernen des neuen, elektrischen Hörens mit einem Cochlea Implantat. Er stellt vielleicht nicht die Regel dar, ich poste dennoch sein Video, um anderen SSDlern Mut zu machen. Seine Geschichte und das Kapitel Musik werden auch Teil des Mono Buches, das inzwischen auf ungefähr 80 Seiten angewachsen ist.

Hier ist übrigens ein ausführlicher Artikel über meine verschiedenen Phasen (Stereo, Mono, Mono und CI) der einseitigen Taubheit und der damit verbundenen Veränderungen der Wahrnehmung von Musik.

Was die Champions League für den Vereinsfußball ist, ist die Musik für das Gehör. Umso mehr stellt sich vor diesem Hintergrund die Frage, was mit diesem Quell der Lebensfreude passieren kann, wenn das Gehör versagt? CI und Musik, geht das? Elektro vs. Akustik? Mono vs. Stereo?

Das Thema wird hier im Forum diskutiert.

Dir gefällt der Beitrag und du möchtest auf dem Laufenden bleiben? Dann gebe der Community einen Daumen nach oben oder hinterlasse deinen Kommentar.

 

FAQ: Was sind Ursachen für einseitige Ertaubung

FAQ

Viren, Bakterien, Gene, Tumor…. Die Ursachen für eine Ertaubung können vielfältig sein und häufig auch nur schwer ermittelbar. Liegt keine Diagnose vor, so wird dies als Hörsturz bezeichnet. 

Bei mir persönlich ist eine Art Mittelohrentzündung (Otitis Media, meine erste im Leben…) innerhalb kürzester Zeit auf das Innenohr vorgedrungen (Bakterien und Viren).

Ergebnis: Trotz Paukenröhrchen OP (Drainage durch das Trommelfell) innerhalb von 48 Stunden von gesund auf einseitig taub/ Gleichgewichtsorganverlust (schwammige Diagnose Labyrinthits).

=> 1 Woche Pflegefall, 10 Tage Krankenhaus, 7 Wochen Reha, 6 Monate akuter Schwindel usw.

In der MonoMachMit-Umfrage wurden zahlreiche Ursachen der einseitigen Ertaubung angegeben, u.a.

Ursache einseitiger Ertaubung (Single Sided Deafness)

Waardenburgsyndrom (Genetische Ursache)
Osteosklerose (Verknöcherung)
Meningitis (Hirnhautentzündung)
Schädelbruch
Herpes zoster oticus (Virusinfektion)
Labyrinthitis (Entzündung des Innenohrs)
Mumps (Virusinfektion)
Mittelohrentzündung / Cholesteatom
Morbus Meniere (Innenohrerkrankung)
Schwannom (Nerventumor)
Hörsturz (kein Grund diagnostiziert)

 

FAQ – Welche Auswirkungen hat ein Cochlea-Implantat auf Tinnitus?

FAQ

Tinnitus ist leider eine häufige Begleiterscheinung bei Gehörverlust (siehe Umfrageergebnis).

Dies kann sehr belastend für die Betroffenen sein (So ist einseitige Taubheit!).

Ein Cochlea Implantat sorgt dafür, dass der Hörnerv des tauben Ohres wieder mit gerichteten elektrischen Impulsen versorgt und die entsprechende Hirnregion stimuliert wird. Dies kann zu einer Reduktion der Tinnituswahrnehmung bei eingeschaltetem Sprachprozessor auf dem tauben Ohr führen.

Hier habe ich meine Eindrücke in der Anfangsphase mit CI und dessen Auswirkung auf den Tinnitus in einem Beitrag beschrieben.

Folgende Erfahrungen haben die teilnehmenden Monos der MMM-Umfrage geteilt:

Tinnitus_CI

 

 

 

FAQ: Dauer der Ertaubung bis Cochlea Implantat Operation

FAQ

Häufig bekomme ich die Frage gestellt:

„Ich bin nun schon seit x Jahren ertaubt. Ist ein Cochlea Implantat noch möglich?“

Oder:

„Ich bin ertaubt und möchte ein CI. Ab wann sollte man sich operieren lassen?“

Zur fundierten Beantwortung beider Fragen ist medizinischer Rat vom Facharzt und ausgiebige Untersuchungen notwendig (siehe Voruntersuchung Anmeldung)! Medizinisch ist das Thema hoch individuell von den entsprechenden Ärzten zu beantworten.

Als grobe Orientierung gilt:

Minimale Wartezeit u.a. abhängig von:

A) eine mögliche Entzündung/Erkrankung am Ohr abgeheilt ist

B) Das Ohr sicher „nicht mehr anspringt“, die Diagnose Taubheit also eindeutig dauerhaft getroffen ist

Auswirkungen einer langen Entscheidungszeit können u.a. sein:

A) Verknöcherung der Cochlea nach viralem Effekt (siehe meine Erfahrung CI Showdown: Das habe ich beim besten Willen nicht erwartet!)

B) Je länge die Zeit in Taubheit ohne CI, umso niedriger sollte die Erwartungshaltung an Ergebnis und Dauer des neuen Hörenlernens sein (siehe Kann man Hören lernen wie Latein?)

Hier die individuellen Erfahrungswerte aus der Mono-Community als Ergebnis der MMM-Umfrage vom 03/2017:
Zeit_bis_OP

Zu erkennen ist, dass sich die Mehrzahl der Umfrageteilnehmer in den ersten beiden Jahren nach Ertaubung operieren haben lassen.

Zeit_bis_OP_2

Zusätzlich gibt es einen beachtlichen Anteil an Monos, die sich erst nach vielen Jahren/Jahrzehnten der Taubheit operieren haben lassen (bzw. lassen können, zB aufgrund der Kostenübernahme etc).

 

FAQ: Wie Verlief der Prozess der einseitigen Ertaubung bei anderen?

FAQ, So ist einseitige Taubheit!

Hallo liebe Mono-Community,

herzlichen Dank für die vielen Teilnahmen an der MonoMachMit-Umfrage und die zugeschickten Vorschläge für weitere interessante Fragen! Ich werde die Ergebnisse Stück für Stück aufbereiten und hier vorstellen. Die Aussagekraft ist natürlich nicht allgemein gültig oder wissenschaftlich erhoben, sondern basiert auf der freien Stimmabgabe und somit den individuellen Erfahrungswerten der Teilnehmer aus der Mono-Community.

Wie Verlief der Prozess der einseitigen Ertaubung bei anderen?

Vereinfachtes Ergebnis:

Prozess_Ertaubung2

Detailliertes Ergebnis:

Prozess_Ertaubung

Zu diesem Thema habe ich u.a. diese zwei weitern Fragen erhalten, die ich ebenfalls sehr interessant finde. Ich freue mich, wenn du deine Antworten dazu hinterlässt!

 

Die Mono-Community 2016

Willkommen

Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende, Zeit für einen kleinen Rückblick.

Unsere Mono-Community ist inzwischen auf 200 Mitglieder bei Facebook und über 50 Artikel gewachsen.

Neben WordPress und Facebook ist der Blog nun auch direkt verfügbar unter

WWW.EINSEITIGE-TAUBHEIT.DE

Elf neue Beiträge wurden 2016 verfasst und sind online verfügbar. Dabei freue ich mich ganz besonders über die tollen Gastbeiträge von Viola und Jonas!

„GANZ OHR SEIN, DURCH DAS OHR GANZ SEIN“ – EIN GASTBEITRAG DER LOGOPÄDIN VIOLA D.

MIT SSD IN DER SCHULE – EIN GASTBEITRAG VON JONAS K.

Ich hoffe, dass auch im nächsten Jahr weitere Beiträge aus der Mono-Community eingereicht werden, um die Informationsvielfalt und die Blickwinkel rund um das Thema einseitige Taubheit für die Betroffenen und Angehörigen kontinuierlich auszubauen. Du kannst dich dazu herzlichen eingeladen fühlen! (einfach Mail an ssd_alex@gmx.de)

Weitere Beiträge aus dem Jahr 2016:
LIFEHACK #STEREO – ENDLICH WIEDER STEREO HÖREN FÜR SSD CI TRÄGER!

RADFAHREN OHNE GLEICHGEWICHT? KEIN PROBLEM MIT DEM EC-RIDER 🙂

ERSTER SINGLE UNIT PROZESSOR KANSO™ VON COCHLEAR

MIT CI IN DEN VATIKAN? INFEKTIONEN DURCH POOLWASSER? WAS KOMMT IN DEN KOFFER?

RICHTIG GUT HÖREN, ALLES NUR EINSTELLUNGSSACHE?

TRIKE – FREIHEIT AUF DREI RÄDERN

WIE IST DAS FLIEGEN MIT DEM COCHLEA IMPLANTAT?

Ausblick 2017

Im nächsten Jahr möchte ich das nächste Großprojekt neben dem Blog veröffentlichen. Mein Ziel ist es ein Buch zum Thema einseitige Taubheit und CI zu publizieren, um das Informationsangebot für Monos um ein weiteres Medium zu vergrößern. Du kannst aktiv den Inhalt des Buches mit beeinflussen, indem du deine Meinung in der Umfrage im nachfolgenden Beitrag hinterlässt:
MONO – EIN BUCH ZUM THEMA „EINSEITIGE TAUBHEIT“

Ich freue mich über deine Rückmeldung, um den Buchinhalt besser auf das zu fokussieren, das am meisten anderen hilft und benötigt wird. Vielen Dank!

Auf dem Blog selbst werde ich in nächster Zeit vermutlich etwas weniger aktiv sein, da mein viertes Kind am 22.12 geboren wurde und das Buch viele Feierabende benötigen wird.

Ich wünsche dir einen guten Start und viel Gesundheit für das nächste Jahr!

Einohrige Grüße

Alexander

 

 

„Ganz Ohr sein, durch das Ohr ganz sein“ – ein Gastbeitrag der Logopädin Viola D.

Plattform unterstützen, Willkommen

 

„Nicht sehen können trennt von den Dingen, nicht hören können trennt von den Menschen.“

Dieses Zitat, dass Immanuel Kant zugeschrieben wird, versucht uns die Empfindung, das Gefühl näher zu bringen was es heißt, schwerhörig oder taub zu sein.

Die Wahrnehmung des Hörens wird von Normalhörenden so selbstverständlich angenommen, dass durch eine solche Aussage keine wirkliche Vorstellung davon vermittelt werden kann, was es wirklich bedeutet „von den Menschen getrennt zu sein“.

Selbst die Tatsache, dass in unserem Umfeld immer wieder Menschen mit einer Hörschädigung leben, hilft nicht unbedingt zur Vermittlung eines tieferen Verständnisses für diesen Zustand.

Es ist schwer, sich in eine körperliche Verfassung einzufühlen, die man selbst nicht erfahren hat; ebenso, sich damit auseinander zu setzen.

In ihrem Buch „Ich bin schwerhörig – und das ist auch gut so!“ beschreibt die Ärztin Frau Dr. Schultens-Kaltheuner in ihrem Fazit genau dieses Phänomen, dass das Unterstützen und Weiterhelfen am besten gelingt, wenn aus eigener Erfahrung gesprochen werden kann.

Als Dozentin für Hörschädigung und Logopädin am CI-Rehabilitationszentrum Tübingen kann auch ich nur im Ansatz verstehen was es bedeutet, mit einer Hörbeeinträchtigung zu leben. Doch durch intensive, sehr berührende Gespräche und den beruflich bedingten Kontakt zu vielen, ganz besonderen Menschen mit Hörbeeinträchtigung, kann ich mich einfühlen.

Den ganzen Tag, zu jeder Zeit und in jeder Situation voll konzentriert und angespannt zu sein, dazu pausenlos wechselnde akustische Hörbedingungen zu erfahren, ergeben ein komplexes Konstrukt, das für eine andere Person kaum erklärbar oder nachzuvollziehen scheint.

 

Das subjektive Empfinden,

die zur Verfügung stehenden Ressourcen,

aber auch der Grad der Hörbeeinträchtigung,

spielen in der Alltagsbewältigung eine entscheidende Rolle.

 

Aufgrund dieser Folgerungen ist es meiner Meinung nach entscheidend, dass Betroffene einen offenen Umgang mit der Hörschädigung finden können;  zum einen um anderen damit helfen zu können, zum anderen aber, sich selbst das Leben dadurch erheblich zu erleichtern.

Eine aufgeklärte Gesellschaft, die sich gegenseitig stützen und unterstützen kann, ist für alle Krankheiten dieser Welt von großem Wert.

Hierbei denke ich nicht nur an die Früherkennung, Beratung zu hilfreichen Medikamenten oder Hilfsmitteln, Selbsthilfegruppen, vielmehr an eine Form der Kommunikation und einen offenen Umgang im Alltag, einem tiefen Verständnis füreinander ohne Vorurteile.

Gebe Deine Kenntnisse, dein Fachwissen weiter und räume die Vorurteile zum Thema Hören auf:

  • Hören hat primär nichts mit dem Alter zu tun, rund die Hälfte aller Hörgeschädigten sind berufstätig oder im Kinder-, Jugendalter
  • Ein Hörgerät oder Cochlea-Implantat ermöglichen nicht das Hören eines gut Hörenden (bei einer Seheinschränkung hingegen ermöglicht die Brille gutes Sehen)
  • Schlechtes Hören hat nichts mit der Intelligenz zu tun
  • Nicht die LAUTSTÄRKE sondern eine angemessene Sprechgeschwindigkeit und eine deutliche Artikulation sind zum Verstehen entscheidend

In meiner Arbeit erlebe ich mehrfach die einhergehende psychische Komponente einer Hörschädigung, geprägt durch wenig Rücksicht und Verständnis durch das Umfeld, dem Gefühl ausgeschlossen zu sein, belächelt und für beschränkt gehalten zur werden.

Dies zu durchbrechen, gelingt nur aus eigener Kraft.

Mit diesem Beitrag möchte ich allen, die es wahrhaftig verstehen können, da sie es selbst erleben,

Mut zusprechen

Meine Achtung aussprechen,

Meine „Glückspyramide“ vorstellen, welche aus der intensiven Arbeit mit Hörgeschädigten, vorwiegend CI-Trägern, entstanden ist. Immer wieder werde ich mit „Sternstunden“ beschenkt, Therapieeinheiten die vielmehr sind als das.

Gemeinsame Stunden auf Augenhöhe, in denen zwei Experten Wertvolles entdecken.

 

Glückspyramide:

 

Werde zum Hörexperten, denn niemand kennt dein Hören so gut wie du

Sei nicht nur rücksichtsvoll mit anderen, sondern auch mit dir selbst

Beschäftige dich mehr mit Lösungswegen und Möglichkeiten

Lenke deinen Blick ab vom Hören, mache Platz für anderes

Vergleiche dich nicht mit anderen, aber tausche dich aus

Konzentriere dich auf die Menschen die dir gut tun

Gewinne Sicherheit und Vertrauen in dein Hören

Versuche deine Art der Entspannung zu finden

Finde was sinnvoll und stärkend für dich ist

Sei selbstwirksam, nicht fremdbestimmt

Fordere ein was für dich wichtig ist

Und sei nicht zu bescheiden

Kommuniziere offen

Vermeide Stress

..

.

Eine nützliche Veränderung bewirken zu können lag mir schon am Herzen, bevor ich die
therapeutische Laufbahn und das systemische Coaching für mich entdeckte. In diesem Sinne hoffe ich, dass ein Funken zu DIR überspringt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Lifehack #Stereo – endlich wieder Stereo hören für SSD CI Träger!

CI - Alltag mit dem Sprachprozessor, CI - Technik

Dieser Beitrag ist für mich wirklich ganz besonders und ich bin ganz aufgeregt das Folgende mit dir zu teilen 🙂 Dank dieses technischen Lifehacks (Grüße an Einohr Lupo, der die Grundidee dazu geliefert hat!) ist ein stereonahes Empfinden für mich endlich wieder erlebbar!  Wie das geht, beschreibe ich dir jetzt:

Einseitige Taubheit = Mono

Einseitige Taubheit + Cochlea Implantat = Mono-Mono

Einseitige Taubheit + MiniMikrofon + Y-Stecker + Kopfhörer = Stereo *freakout*

img_20161120_15401922

  1. Die stereofähige Audioquelle mit dem y-Stecker verbinden (hier Smartphone)
  2. Das MiniMic für Wireless-Soundübertragung mit Y-Stecker verbinden. Ich habe den Stecker nur halb eingesteckt, damit nur die linken Soundgeräusche übertragen werden (bin links taub). Das Minimicrophone habe ich kostenlos von Cochlear vor ca 1 Jahr erhalten, als ich Cochlear Family beigetreten bin. Andere Hersteller sollten ähnlich Soundübertragungen bieten (zur Not sollte es auch mit Kabel gehen, elektrische Trennung laut Hersteller beachten).
  3. Das CI mit Minimicrophone verbinden => erstes Ohr ist online
  4. In-Ear Kopfhörer mit Y-Stecker verbinden und die richtige Seite in verbleibendes Ohr einstöpseln => zweites Ohr ist bereit
  5. Die Lautstärke des CI-Ohres z.B. über Minimicrophone-Tasten dem gesunden Ohr anpassen (Feintuning). Hierbei kann man einen  einfachen Soundtest durchführen.

Ist das Lautstärkeempfinden einigermaßen abgeglichen und der Stereo-Sound funktioniert, kann man sich in das neue Sounderlebnis stürzen. Wie so oft empfinde ich das nicht als ein reines Konsumieren, vielmehr muss ich mich an den neuen Höreindruck gewöhnen, ihn ein Stück weit erlernen. Ich denke, wenn du selbst ein Cochlea Implantat trägst, dann kennst du ja bestens das Gefühl des „Einhörens“.

Hier einige gelungene Stereo-Beispiele aus dem Netz:

Ab auf den Friseurstuhl und los gehts mit dem Akustischen Haarschnitt 😀

Oder doch lieber mehr Action und hinein ins Gefecht? Geballere ist nicht so anspruchsvoll zu verstehen wie Sprache  🙂

Hier eine gut gemachte Sammlung an Stereo Effekten mit wandernden Geräuschen

Zum Abschluss noch etwas Stereo-Musik mit schönen perkussiven Effekten!

Falls dir dieser Beitrag gefällt oder du ihn nützlich findest, dann bitte teilen! Nur so können viele Leute davon erfahren.

Ich hoffe, du kannst diesen Lifehack ebenfalls ausprobieren und bist genauso begeistert wie ich! Falls du es schaffst oder nicht schaffst, freut sich die Mono Community über ein Kommentar unterhalb des Artikels über deine Erlebnisse.

Mit CI in den Vatikan? Infektionen durch Poolwasser? Was kommt in den Koffer?

CI - Alltag mit dem Sprachprozessor

Zwei erholsame Wochen in der sonnigen Toskana liegen hinter mir und diesmal habe ich die Aquaspule vom Aqua+ Kit nicht wie im letzten Jahr vergessen 😀 

Sonne, Strand, Chlor- und Salzwasser – Urlaub mit CI, geht das?

Im Koffer mit dabei für das Ohr im Urlaub waren:

  • Tupperbox fürs CI zur Aufbewahrung am Strand/Pool (hat sich sehr bewährt)
  • Akkus und Ladegeräte
  • Aqua+ Kit
  • Ersatz Ear Hook

Das wars, mehr habe ich nicht gebraucht und auch nichts vermisst.

Was hat sich im Vergleich zu den Urlauben der letzten beiden Jahren verändert? Erstaunlicherweise einiges!

1) Im ersten Jahr meiner Ertaubung habe ich mir während der Autofahrt teilweise das gesunde Ohr mit einem Ohrstöpsel verschlossen, da mir die Fahrgeräusche und meine Jungs oft zu laut waren und ich mich dadurch überhaupt nicht konzentrieren konnte!  => Dank CI habe ich von dieser Überempfindlichkeit diesmal nichts gemerkt (oder sind die Jungs inzwischen einfach leiser 😉  …)

2) Auch Menschenmassen habe ich nicht mehr gemieden, sondern habe mich zB in Rom ins Getümmel gestürzt. img_20160901_123517

3) Die Silikonohrstöpsel zum Schutz vor Infektionen im Meer/Poolwasser habe ich dieses Jahr nicht mehr eingepackt, meine Angst davor ist verflogen (=> Yeah, kein Hypochonder mehr!!!!!)

4) Das Aqua+ Kit fürs CI habe ich nicht außerhalb des Wassers benutzt, da die Audioqualität durch die Silikonhülle schlechter ist und ich den Qualitätsunterschied inzwischen deutlich wahrnehme. => Das Hören mit dem CI ist deutlich besser

Es hat dennoch viel Spaß gemacht, mit dem Aqua+ Kit zu planschen 🙂

img_20160902_195640

Kleiner Tipp: Bei mir war das Kit bereits Standard in der Erstausrüstung. Für alle, die das CI schon länger von Cochlear haben: Ein Freund von mir hat es nachträglich auf Antrag umsonst von der Kasse als Einohriger bekommen. Einfach mal probieren.

5) Im Meer habe ich das CI nicht verwendet. Der Befestigungsleine bei Wellengang habe ich dann doch nicht vertraut:) Schlimm die Vorstellung, dass der Prozessor im Wert eines Kleinwagens einfach davon schwimmen könnte und ich eine längere Zeit ohne elektrisches Ohr sein müsste *schüttel*

CI in Italien

Ich habe in zwei Wochen viele Menschen, aber kein einziges CI gesehen. Ein italienischer Staff hat mich jedoch auf mein CI angesprochen, dessen Frau und Vater an einseitiger Taubheit leiden. Mit ihm habe ich mich sehr nett unterhalten. Er meinte, dass in Italien ein CI bei einseitiger Taubheit nicht gezahlt wird. Zudem sind Cochlea Implantate im Allgemeinen fast nicht bekannt in Italien. Nach diesem Gespräch habe ich eine sehr große Dankbarkeit gegenüber dem deutschen Krankensystem empfunden, da mein Leben sich sonst ganz anders anhören und somit für mich und auch meine Familie anfühlen würde…..

unbenannt

Magneto im Hochseilgarten

Als Gelegenheits-Kletterer habe ich mich natürlich sehr gefreut, dass unsere Mobilehome-Terasse direkt an einem Hochseilgarten gelegen ist. Dementsprechend häufig habe ich diesen absolviert mit meinem ältesten Sohn 🙂 Den Sprachprozessor habe ich nicht abgelegt. Jedoch musste ich dadurch sehr aufpassen, nicht mit der Spule am Stahlseil der Sicherung anzudocken 🙂 Ist mir ein paar Mal passiert und den Prozessor hätte es fast abgezogen. Der Sportbügel empfiehlt sich also bei solchen Aktionen, wenn das CI nicht in die Tiefe stürzen soll….

 

Mit CI im Vatikan

Wer von euch schon im Petersdom war, hat sie passiert. Die Sicherheitsschleuse mit Detektoren wie am Flughafen. Den Sprachprozessor habe ich wie üblich am Kopf gelassen und… er hat im Vatikan keinen Alarm ausgelöst 🙂

Nun ist der Urlaub vorbei und der Alltag hat mich wieder. Ich hoffe du hattest ebenfalls eine gute Zeit und dass du den Restsommer noch genießen kannst! Ob mit 0, 1, 1.5 oder 2 Ohren 🙂

 

 

Mit SSD in der Schule – ein Gastbeitrag von Jonas K.

Plattform unterstützen, So ist einseitige Taubheit!

Wenn es eine Konstante in meinem Leben gibt, dann ist es mein Gehör. Es funktionierte noch nie und dieser Defekt begleitet mich mein Leben lang bis zu diesem Zeitpunkt, an dem ich diese Worte schreibe. Keine Angst, ich werde mich ich folgenden nicht darüber auslassen, wie schlimm alles doch war. Das wäre ja auch gelogen. Man lernt vieles, was andere nicht lernen und man lebt auch anders. Mir geht es in diesen Texten darum, dass ich Leidensgenossen und Angehörigen Tipps geben kann, dass ich ihr Leben etwas unkomplizierter machen kann.

Eine Konstante in meinem Leben, welche sich jedoch vor kurzem in Luft aufgelöst hat, war die Schule. Förderschule, Grundschule, Realschule und Gymnasium mit Abitur – ich hab da schon so ziemlich alles gesehen was es gibt. Dazu gehören auch viele Fehler seitens der Lehrkräfte, seitens mir und seitens meiner Mitschüler.

Als SSD – Betroffener hatte ich die klare Empfehlung, dass ich nach Trier in die Wilhelm-Hubert-Cüppers Schule gehen soll – eine klassische Gehörlosenschule. Damit verbunden einen Schulweg von 80km – unmöglich. Trotzdem habe ich die Schule für ein paar Tage besucht. Die Erfahrungen, welche ich dort machen konnte, haben meine Eltern darin bekräftig, dass ich eine Regelschule besuchen soll und zusätzliche Förderung nachmittags Zuhause bekomme – solange diese notwendig ist. Zweifelsohne die richtige Entscheidung, auch wenn mich interessieren würde, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn es anders gekommen wäre.

Die Grundschule habe ich also wie (hoffentlich) jeder von uns besucht und eine Sache fällt mir besonders auf, wenn ich im Nachhinein darüber nachdenke: Mir war es nicht wirklich bewusst, dass ich nur auf einer Seite höre. Ich habe mir zu keinem Zeitpunkt darüber Gedanken gemacht. Ich erinnere mich, dass ich überrascht war, als ich erfuhr, dass ich der einzige Schüler auf der Schule mit einer solchen Behinderung war. Es war für mich Normalität.

Das kann ich aber nicht von den Menschen um mich herum sagen. Meine Lehrerin hat sich wacker geschlagen, sie hatte auch schon einiges an Berufserfahrung aber auch sie hat die Fehler gemacht, die ich heute als klassische Fehler von Lehrern, die es nicht besser wissen und nur gut meinen, ansehe.

Beispielhalft sind hier Situationen, in denen ich einen Tadel bekam, da ich nicht gehört habe, dass ich gerufen worden bin, dass ich leise sein sollte, dass der Lehrer den Raum betreten hatte, dass ich beim Nachbarn nach der Aufgabe fragen musste, solche Dinge eben. Dinge, die nicht angenehm sind. Iich hab mir da aber nie was daraus gemacht.

Fehler waren natürlich auch, dass sie einfach gegen die Tafel gesprochen hat, wodurch bei mir nur noch ein unangenehmes Schallwirrwarr ankam (warum das so schlimm ist erkläre ich in einem anderen Text). Aber das hielt sich auch in Grenzen.

Alles in allem war die Grundschulzeit eher unspektakulär und meine Schwerhörigkeit hat mich kaum beeinträtigt. Ich war ein Kind und habe das gemacht, was Kinder eben so machen. Der Punkt, an dem ich mich mit Abstand am meisten geärgert habe war, dass meine Schwerhörigkeit Teil der Begründung war, warum ich nicht das Gymnasium besuchen sollte. Eine absolute Fehleinschätzung, wenn man es heute betrachtet.

Vielleicht war man einfach nur zu vorsichtig und wollte mich nicht überfordern. Ich bin kein Freund davon. Fordern, solange man nicht überfordert ist.

Die Realschulzeit war ein harter und nicht gewollter Cut. Viele Lehrer waren überrascht von mir, wussten nicht so richtig, wie sie eben diesen Drahtseilakt der richtigen Rücksicht schaffen sollen. Nach ein paar Jahren erkennt man diesen Typus Lehrer sofort, und das ist per sé auch nicht schlimm. Wenn ich mich in deren Situation versetzten würde, dann wäre das ganze wahrscheinlich nicht anders. Man merkt allerdings auch schnell, welche Lehrer sich ähnlich wie meine Grundschullehrerin verhalten und das ganze recht gut schaffen (manche Situationen sind immer ungünstig, da will ich die Goldwage nicht rausnehmen) und wer nicht so richtig weiß, wie er sich zu verhalten hat. Das endet dann in dauerhaften “vor mir stehen”, damit ich auch alles mitbekomme ebenso wie ständigem Augenkontakt – beides will kein Schüler. Da ich jemand war, dessen Mitarbeit zu den besten zählte, gab sich das ganze jedoch auch irgendwann, die Lehrer sahen das ganze mehr so, wie ich es in der Grundschule gesehen habe. Alles andere wäre auch mehr oder weniger lächerlich, da ich dauerhaft der Klassenbeste war.

Eine neue Problematik machte sich jedoch mit dem älterwerden breit. Wie ich es früher nicht gemerkt hatte, dass etwas anders ist, so haben meine Mitschüler es auch nicht gemerkt. Und will ich nicht abfällig über Realschulen und deren Schüler spreche – ich war ja selbst mal einer – aber, sagen wir es so: Ich war dort nicht sonderlich beliebt. Es war die völlig falsche Schule für mich, ich war gut und bekam trotzdem noch Hilfe von manchen Lehrern (was mir zunehmend unangenehm wurde, was jedoch trotzdem sinnvoll war, z.B. ein Sitzplatz in der ersten Reihe). Das Hörgerät, was ich zu dieser Zeit trug, war ein weiterer Grund, warum ich nicht dazugehörte. Es war ein Stempel, der mich als anders markierte. Für manche Menschen ist das kein Problem, für andere schon. Ich will das aber nicht alles auf das Hörgerät schieben, da gehört mehr dazu. Zu jedem, der mit einem Mono zu tun hat, kann ich aber nur sagen: Reduziert diesen Menschen nicht auf das eine Ohr. Achtet auf andere Dinge, Dinge, welche diesen Menschen auch wirklich auszeichnen und unterschätze sie nie, weil sie nur ein Ohr haben. Das sagt im Idealfall genau nichts über den Menschen aus.  Leider haben meine Mitschüler das damals nicht verstanden. Vielleicht hat es ihnen aber auch nur niemand erklärt.

Was dann hängen bleibt ist dann eigentlich nur der Satz in der letzten Woche, dass ich das Abitur sowieso nicht schaffen werde.

Was konnte ich also nun von einem Gymnasium erwarten? Altbau, ehemaliges Kloster, 3, 4 Meter hohe Räume, schlechte Akustik in fast allen Räumen, vor allem in der Aula.

Auf jeden Fall Verständnis und Interesse. Dort habe ich das erste Mal Menschen erklären können, was genau mein Problem ist und was sie und ich dagegen tun können (was Alexander hier ja auch schon getan hat). Wirklich befasst mit dem Thema „hören“ habe ich mich selbst erst seit der Oberstufenzeit am Gymnasium. Es war ein völlig anders Leben, weniger geordnet, schneller und mit der Veränderung kam die Schwierigkeit, meinen Lebensinhalt auf das eine Ohr auszurichten. Man muss mutig sein, andere darauf aufmerksam machen und wissen, wo man hingehen sollte und wo nicht (dazu an anderer Stelle mehr).

Ich erinnere mich an Essen in einem Restaurant mit, in dem ich nahezu nichts von dem verstanden habe, was gesagt wurde, weil die Leute, mit denen ich da war, “auf meiner falschen Seite” saßen. Das war mein Schicksal, wenn ich 2 Minuten zu spät kam, nicht nur an diesem Abend. Aber heute würde mir das heute nicht mehr passieren. Ich war vielleicht feige, vielleicht etwas überfordert, aber trotzdem hätte ich mit jemanden den Platz tauschen sollen. Und wenn das nicht geht, dann ist das nicht mehr meine Gesellschaft. In jedem Fall der vielleicht unangenehmste Abend, den ich je erlebt habe.

Auf die Schule lässt sich das ganze 1 zu 1 übertragen. Jetzt waren es nicht mehr die Lehrer, die groß Rücksicht genommen haben, sollten sie ja auch nicht. Jetzt war es an mir, alles zu verstehen. Das ging mal mehr, mal weniger gut. In jedem Fall saß ich nach und nach in allen Räumen irgendwann auf dem Platz, wo ich am besten hören konnte. Früher gab es hier noch die zwei Typen von Lehrer: die einen fragten, wo man sitzen soll, die anderen wollten nicht, dass man gegen die heilige Sitzordnung verstößt. Hier war es einfach egal, kurz: so, wie es ein soll. Mit 17, 18 und 19 Jahren sollte man langsam auch selbstständig werden, das Ganze sollte auch gefördert werden.

Abschließen will ich an diejenigen, die sich fragen, ob der Besuch einer Regelschule mit nur einem Ohr möglich ist sagen, dass das grundsätzlich eine Entscheidung ist, die vom Kind selbst anhängig ist. Ich glaube aber, dass man das mit der richtigen Unterstützung und mit ein wenig Glück mit der Schule selbst, schaffen kann. Das Abitur habe ich selbst im März dieses Jahres absolviert – in den Top 5 aus 113 Abiturienten. Was würde meine Grundschullehrerin wohl dazu sagen, wenn sie wüsste, wie daneben sie lag? Egal.

An alle Monos selbst kann ich daher auch nur sagen, dass ihr euch nie sagen lassen sollt, dass ihr etwas nicht könnt. Wichtig ist, ob man etwas will. Wenn ihr einen anderen Weg als ich gehen wollt, dann ist das auch völlig in Ordnung. Sprecht mit euren Eltern, euren Freunden und Ärzten und trefft dann eine nicht voreilige Entscheidung über eure Schullaufbahn.

Ich hoffe, ich konnte einigen Menschen mit diesem Text helfen. Ich plane weitere Texte, unter anderem eine Serie der Orte, welche für einseitig taube Menschen am schlimmsten sind. Wer noch Fragen/ Anregungen/ Wünsche hat, der kann sich bei mir unter jonas.k.996@live.de melden.