Wie ist ein Tag ohne CI? Wie überstehe ich den nur?!

CI - Alltag mit dem Sprachprozessor, So ist einseitige Taubheit!

Montag Morgen. Leichte Müdigkeit. Zwillinge haben in der Nacht Rambazamba gemacht. Kaffee nur noch koffeinfrei da. Zu spät aufgewacht. Schnell, schnell fertig machen. Tschüss Jungs, tschüss Frau, tschüss Hund. Auto, los….

So, nun legt sich der Stress und ich rolle gemütlich Richtung Arbeit. Doch warum hab ich nur dieses merkwürdige Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt? Naja egal, Radio an. Hmmm.. bin ich so kaputt, dass ich mich überhaupt nicht konzentrieren kann? Ich bekomme einfach nichts mit von dem Interview, dass da gerade läuft. Auto fahren und den Inhalt verarbeiten, das klappt gerade nicht wirklich. Scheiß Müdigkeit…

Und was ist das? Oh man, der Tinnitus knetet mein Restbewusstsein durch, was nur geht. Der ist mir schon ewig nicht mehr so aufgefallen beim Autofahren. Da hilft das CI schon super …………. das CI!

Jetzt macht alles Sinn, klar Montag Morgen kann ein Grund sein für eine schlechte Konzentration und zwei Nachtmonster ebenfalls. Aber das ist ja mein normaler Alltag, der mich sonst nicht so beeinträchtigt. Ich habe in der Eile das CI vergessen anzulegen. Umdrehen? Oh, da ist ein riesiger Stau auf der Gegenfahrbahn, da müsste ich dann anstehen. Naja, was solls… Werde den Tag schon rumbekommen. Habe ich ja auch über ein Jahr lang geschafft. Das Radio mache ich nun erstmal aus, damit ich mich besser auf die Straße konzentrieren kann. Der Tinnitus gibt den Beat vor 🙂

Rein ins Büro, die Kollegen sitzen bereits bei der Frühstückspause zusammen. Bin ja etwas später heute. Puh ist das anstrengend. Sonst verstehe ich eigentlich alles in unserer Runde, doch heute ist das anders. Drehe ständig meinen Kopf hin und her. Was? Wie bitte? Oh man, fühle mich wie 90 gerade. Ein Kollege hat eine besonders tiefe und ruhige Stimme. Da hilft selbst die stärkste Kopfdrehung und Konzentration nichts.

Pause vorbei, nun erstmal ein paar Berechnungen in Excel programmieren. Ein Genuss für mich eigentlich für einen Montag Morgen (nein, kaum zu glauben aber das ist wirklich keine Ironie 😉 ). Doch die Schaltvorgänge gehen heute etwas weniger flüssig in meinem Oberstübchen. Nach einem Kaffee mit viel Koffein gehts wieder besser.

Mittags lasse ich die Kantine ausfallen. Viele Menschen in einem großen Raum und kein CI ist suboptimal. Da bleibe ich lieber im ruhigen Büro, will ja Kraft tanken und nicht verlieren.

Nachmittags halte ich eine Präsentation. Ich setze mich gleich an die Pole Position, damit mein akustisches Ohr den kompletten Raum orten kann. Da ich überwiegend rede, macht die Präsentation richtig Spaß und ich übertöne selbst den Tinnitus 😀

Nach dem Meeting spreche ich mit einem Kollegen, den ich in diesem Jahr noch nicht getroffen hatte. Moment, kurzer Seitenwechsel beim Laufen, damit mein gesundes Ohr auf der richtigen Seite ist. Wir unterhalten uns kurz über mein Wohlbefinden und ich erzähle ihm von der CI OP und wie froh ich über diesen Zugewinn an Lebensqualität bin. Unter Ingenieuren ist das technische Interesse immer sehr groß an dem Thema 😉 Leider kann ich ihm den Sprachprozessor und die Spule gar nicht zeigen, da ich diese ja vergessen habe.

Der Abend bricht an und ich beende den Arbeitstag. Mein Kopf brummt etwas, der Tinnitus summt fröhlich wie immer und ich fühle mich wieder richtig müde.

Zuhause angekommen begrüßen mich meine Frau mit den Kinder, der Hund und ….. mein CI! Da schlummert das Kleine in der Trockenbox. Sofort lege ich es an und zack, da ist das schöne neue Klingeln und Bimmeln! Nun fühle ich mich wieder vollständig. Merci, dass es dich gibt 🙂 Nun ab zu den Kindern!

EA Tag 4: Die ersten Ergebnisse: Was bringt das Cochlea Implantat?

CI - Erstanpassung und Reha

Neuer Tag, neues Glück. Wie gewohnt lege ich mir sofort nach dem Aufstehen mein Cochlea Implantat an. Ahhh, da ist sie wieder, die schöne, neue akustische Welt. Das Wasser beim Waschen hört sich schon wieder verändert an bilde ich mir ein, klarer und heller. Unglaublich, wie achtsam ich seit der Aktivierung des CIs den Tag über Geräusche wahrnehme, ohne dass ich mich speziell darauf fokusiere. Heute wird ein Power-Tag! Das vollste Programm meiner Erstanpassung lacht mir entgegen. So mag ich das 🙂 Als runter an den Frühstückstisch und zur Abwechslung mal Kaffee mit Coffein rein in den Körper. Ja, ich trinke häufig ohne. Nein, es hat nichts mit dem CI zu tun 😉 Zwei Brötchen später fängt das Doping an zu wirken und ich mache mich bereit für das Highlight der Woche! Hörtests in der Audiologie stehen an.

Audiologie

Zur Audiologie muss ich genau 1,5 m den Speisesaal verlassen und schon bin ich im schalldichten Raum. Natürlich bin ich hoch motiviert, ein erstes „objektives“ Ergebnis über die Veränderungen meiner persönlichen  akustischen Wahrnehmung zu erhalten. Bereits vor der OP wurden die gleichen Tests durchgeführt (ohne Hilfsmittel, mit Cros und mit Baha). Im Laufe der mehrjährigen Reha wird dieser Test wiederholt und der Lernprozess dadurch sichtbar. Auch für die Wissenschaft werden die Ergebnisse für Studienzwecke herangezogen. Man, es wird echt Zeit, dass ich endlich dazu komme, die Ergebnisse der vielen Studien zu den Vorteilen eines CIs bei einseitiger Taubheit in einem Beitrag zusammenzufassen….. Los geht die Testreihe. Auf dem Programm stehen der Oldenburger Satztest und der Freiburger Einsilbertest.

Beim Oldenburger Satztest werden wiederholt Sätze gleichen Satzbaus aus fünf Wörtern gebildet. Die Wörter werden aus einer vordefinierten Menge dabei durch das Zufallsprinzip miteinander kombiniert. Daher gilt: Beim Oldenburger keinen Sinn suchen, sondern nur das wiedergeben (und zwar alles) was man wahrnimmt. Ich bilde wieder fleißig mit geschlossenen Augen lustige Sätze oder Wortfetzen.

Das Freiburger Sprachaudiogramm (oder Freiburger Wörtertest, Einsilbertest, etc…) beschränkt sich auf das Hören eines Wortes im Störgeräusch. Die Lautstärke des Störgeräuschs wird dabei den Ergebnissen des Probanten angepasst. Der Grenzbereich des Sprachverständnisses wird also ermittelt. Das Ganze wird mit Zahlen und einsilbigen Substantiven durchexerziert. Das Zahlenverstehen flutscht ohne Probleme durch, die Wirkung des Kaffees ist noch voll da 😉 Mit den Wörtern wird es schon anspruchsvoller.

Wer nun noch einen Hannover- oder Berlinertest vermutet, die kamen nicht vor 🙂

Direkt im Anschluss erhalte ich die Auswertung in die Hand gedrückt und die Audiologin verabschiedet sich. Ich hake natürlich nach, was die Diagramme bedeuten und sie nimmt sich nochmal Zeit für mich und erklärt kurz das Papier in meinen Händen.

Hörkurve einseitige TaubheitZunächst sieht man im ersten Audiogramm, Überraschung, ich bin links ohne CI taub und rechts normalhörend. Das Zweite ist da schon wesentlich aufschlussreicher:

Sprachaudiogramm Freiburger Wörtertest

Im Oldenburger Satztest konnte ich 77 % der Wörter verstehen (dachte vom Gefühl, es wären weniger). Beim Freiburger Sprachverständlichkeitstest verstand ich 50 % der einsilbigen Substantive und 100 % (!!!!!!!!) der Zahlen im Störlärm. Yeah, bin sehr zufrieden mit den Erfolgen mit dem Cochlea Implantat und fühle mich einmal wieder bestätigt in meiner Entscheidung dafür! Mit viel Coffein und Endorphinen im Blut nimmt der Morgen weiter seinen Lauf. Schön, dass nach all der Ungewissheit, ob das CI überhaupt noch medizinisch funktioniert, so ein erfreuliches Ergebnis heraus kommt! Das Ergebnis ist bei Weitem nicht selbstverständlich! Einen Vergleich mit den Tests vor der OP (Ergebnisse habe ich leider momentan nicht, besorge ich beim nächsten ICF Aufenthalt) liefere ich euch nach.

Anpassung Technik

Nun geht es direkt weiter zum Techniker. Dieser nimmt keine neuen Einstellungen vor, da wir uns voll und ganz dem Technikzubehör widmen wollen. Bisher hatte ich den Sprachprozessor mit Spule, die Fernbedienung und ein paar Batterien. Nun kommt noch eine Menge anderer Zubehörteile in einem Koffer dazu. Da die Beschreibung des Inhalts den Tagesberichtsumfang der Erstanpassung sprengen würde und ich hoch erfreut bin über so viel Sonderausstattung (sponsored by Krankenkasse), widme ich hier dem Koffer seinen verdienten Extrabeitrag. Lasst uns doch einmal gemeinsam einen Blick hineinwerfen:

Cochlear Implantat Nucleus 6 – der Zubehörcheck

Logopädie

Heute führt die Logopädiestunde eine junge Dame durch, die unsere letzten Sitzungen lang als Auszubildende hospitierte. Zum Start wünsche ich mir gleich eine schwere Herausforderung (habe mir  ausnahmsweise Kaffee mit Coffein heute morgen gegönnt, der bringt mich in Fahrt 🙂 ). Gut, soll ich bekommen… Das Audiokabel wird in den Sprachprozessor eingestöpselt und los gehts nur über die CI Seite. Drei verschiedene Wörter eines gemeinsamen Themenfelds werden vorgespielt. Nach dem Anhören soll ich das dazugehörige Themenfeld benennen. Ich erfasse noch nicht alle Wörter auf anhieb. Braucht es auch gar nicht bei dieser Übung, da ich auch mit Lücken das Themenfeld recht  gut assoziieren kann. Ich wills härter! 🙂 Ok, nächstes Level. Eine Liste mit je drei Wörtern je Zeile, die sehr ähnlich klingen (in etwa Feld, Geld, Held), liegt vor mir. Ein unbekanntes Wort wird übers CI eingespielt und ich soll nennen, welches der drei Wörter es jeweils ist. Diese Übung klappt ebenfalls recht zügig und wir ziehen deshalb die komplette Liste durch. Ich halte immer meine Augen geschlossen, um die maximale Konzentration auf dem Gehör zu haben. Puh, gegen Ende merke ich, wie sich langsam die Ermüdung breitmacht. Nun muss ich doch das ein oder andere Wort wiederholen lassen. Unterm Strich weiß ich jedoch das Sprachverständnis, das ich bisher aufbauen konnte, sehr zu schätzen! Nimm das Verknöcherung!

Psychologie

Die Belastungen einseitiger Taubheit (geschweige denn bei einer vollständigen Ertaubung) und vor allem der häufigen Begleiterscheinung Tinnitus (nie mehr Ruhe!) bei Spätertaubungen kann sehr massiv sein und sich auch auf das Sozialverhalten auswirken.

Deshalb hat jeder Patient standardmäßig am ICF ein Gespräch mit einer Psychologin bei der Erstanpassung. In den daraufhin folgenden Reha-Aufenthalten kann jederzeit über die Logopädie ein neuer Termin angesetzt werden. Zunächst versucht mir die Psychologin mit Samthandschuhen die Vorteile und den Nutzen einer psychotherapeutischen Arbeit näher zu bringen. Ich weise sie gleich darauf hin, dass ich vom Benefit ihrer Tätigkeit überzeugt bin. Der Nutzen, um möglichst schnell wieder neben dem körperlichen auf die Beine zu kommen, ist mir bewusst. Daraufhin führen wir das Gespräch gleich auf einer ganz anderen Ebene fort. Sie stellt heraus, dass sie mit den wenigen Terminen keine Therapie bieten kann, sondern lediglich eine Hilfestellung bei offenen Fragen und Anliegen leisten kann. Verständlich, wenn man bedenkt, dass eine klassische Kurztherapie bei einem Psychologen 40 Sitzungen umfasst.

Hiermit möchte ich anderen Betroffenen Mut machen und den Nutzen von psychologischer Arbeit bei einseitiger Ertaubung unterstreichen. Natürlich kann man versuchen alles mit sich selbst auszumachen, jedoch ist es meist deutlich effizienter, professionelle Unterstützung zur Bewältigung von belastenden Themen in Anspruch zu nehmen (auch wenn viele, mich eingeschlossen, eine ziemliche Hemmschwelle beim ersten Mal dafür haben). Ich für mich persönlich bin froh, möglichst schnell Leistungsfähigkeit wieder herzustellen und spüren zu können.

Freizeit

Nach diesem anstrengenden Rehaprogramm möchte ich mir etwas Ruhe gönnen. Deshalb nutze ich das schöne Wetter für einen Spaziergang vom ICF aus zum Seepark, der direkt in der Nähe liegt. In dieser Parkanlage fand eine Landesgartenschau in der Vergangenheit statt. Ich genieße die Aussicht von einem Turm und umrunde den See. Leider hat der einladende Biergarten noch nicht geöffnet.

Fazit

Trotz des Schocks der Voruntersuchung nimmt die Geschichte CI für mich persönlich scheinbar einen positiven Ausgang. Die Ergebnisse übertreffen bei Weitem meine Erwartungen und ich bin darüber sehr dankbar. Nimm das Verknöcherung!

 

CI und Musik – geht das?

CI - Erstanpassung und Reha, So ist einseitige Taubheit!

Was die Champions League für den Vereinsfußball ist, ist die Musik für das Gehör. Umso mehr stellt sich vor diesem Hintergrund die Frage, was mit diesem Quell der Lebensfreude passieren kann, wenn das Gehör versagt? CI und Musik, geht das? Elektro vs. Akustik? Mono vs. Stereo?

Hier (inspiriert durch meine Musiktherapeutin) eine sehr persönliche Gegenüberstellung meiner Erfahrungen mit Musik in den Lebensphasen Stereo, Mono und Elektrisch

Epoche 1: Musik mit zwei gesunden Ohren

Lieblingsmusik

In meinem Leben mit zwei gesunden Ohren habe ich fast alle Arten von Musik gerne gehört.

Musik im Auto

Als Pendler habe ich häufig im Auto die Musik nach Feierabend aufgedreht, um die Arbeitsgedanken zu vertreiben. Von BigFm bis Klassikradio hörte ich mir alles an.

Voll auf die Ohren

Konzerte, Festivals, Discos, randvolle Kneipen. An vielen Orten in den unterschiedlichsten Lautstärken und Formen konnte ich Musik genießen

Musizieren

Wirklich viel Musik selbst habe ich in meinem Leben nicht gemacht, abgesehen von ein wenig Keyboardunterricht in der Kindheit und selbstbeigebrachtes Klavierspiel nach dem Studium.

Epoche 2: Musik nach der einseitigen Ertaubung

Musik im Auto als SSDler

Musik höre ich beim Pendeln seit dem einseitigen Ertauben nicht mehr, denn mein gesundes Ohr ist sehr geräuschempfindlich geworden. Zudem raubt mir leider das asymmetrische Hören von Musik viel Konzentration. Durch die einseitige Ertaubung gewinne ich keine Kraft mehr aus der Musik sondern werde erschöpft. Die Aufmerksamkeit sinkt, was im Straßenverkehr ja nicht unbedingt so vorteilhaft ist… Deshalb höre ich eigentlich nur noch Deutschlandfunk beim Pendeln, da Reportagen komischerweise besser aufgenommen werden können.

Voll auf die Ohren, ähm das Ohr

Dass ich nun (abgesehen von den drei kleinen Gründen mit je zwei Beinen bei mir zu Hause) kein Stammgast in Discos, Heavy Metal Festivals und randvollen Kellerkneipen bin, ist glaube ich nicht schwer zu erraten.

Festivals und Co als SSDler

Wobei, letztes Jahr schleppte mich meine Frau zum Glück auf mein erstes „Mono“ Festival („Das Fest“ in Karlsruhe). Mit Gehörschutz klappte das trotz anfänglicher bedenken erstaunlich gut. Einmal verrutschte er mir jedoch und ich bekam die absolute Oberkrise, als plötzlich dieser Lärmpegel auf mein Weichei-Ohr traf 🙂 Unterhaltungen waren bei den lauten Umgebungsgeräuschen nur sehr eingeschränkt möglich (der Gehörschutz lässt jedoch die hochfrequenten Töne der Sprache einigermaßen durch). Die Musik konnte ich beim Festival ganz gut aufnehmen, da zum einen das Flair, zum anderen das Vibrieren der Musik im Körper das Musikerlebnis abrunden. Diese Wahrnehmungen werden nicht durch den einseitigen Gehörverlust gemindert. Man sollte sich ja immer mehr darauf fokusieren, was man noch kann, als auf das, was man nicht mehr kann (halte ich meiner Oma bei anderen körperlichen Leiden immer vor, warum soll das nicht auch für mich zutreffen?! 😉 ).

Klassisches Konzert als SSDler

Der Besuch eines klassischen Konzerts (mag ich eigentlich sehr gerne) war leider sehr ernüchternd nach der einseitigen Ertaubung. Das herrliche Klangvolumen, das den Raum sonst wie Honig flutet, war gänzlich nicht mehr vorhanden. Das Orchester spielte gefühlt direkt in meinem gesunden Ohr (es schrumpft quasi auf eine Singularität) und nicht im Zentrum der Bühne vor mir. Auf der anderen Seite schrillte der Tinnitus und zelebrierte seinen Triumpf über die schönen Klänge der Welt. Er rieb es mir förmlich unter die Nase, dass er eindringlicher und lauter ist als alles andere. Die räumliche Zuordnung war auch nicht mehr möglich und somit das Fokusieren auf einzelne Instrumente hinfällig. Bei Solostücken hätte ich heulen können, da ich vor allem Tinnitus wahrnahm. Das war ein halbes Jahr nach der Ertaubung.

Musizieren als SSDler

Das Klavierspiel habe ich aufgehört, da das fehlende Klangvolumen selbst für mich als wenig anspruchsvoller Hobbyklimperer zu deprimierend war.

Epoche 3: Musik mit CI

Hoffentlich ändert sich das nun wieder etwas mit dem Cochlea Implantat. Ich kann es kaum glauben, dass ich Musik zum Teil drei Tage nach der Inbetriebnahme ganz akzeptabel wahrnehmen kann, jedoch natürlich nicht natürlich 🙂 Einem Rythmus kann das egal sein!

Hier eine kurzer Beitrag zur Problematik von Musik und Cochlea Implantat:

Für alle nicht CI’ler habe ich ein Simulationsbeispiel gefunden, wie ein geübter CI’ler nach jahrelangem Training Musik wahrnehmen kann:

Mein CI (Cochlear) hat übrigens 22 Kanäle in Bezug auf das Video.

Klassische Musik mit CI

Einen guten Einstieg in die Welt der Musik mit CI bieten, meiner beschränkten Erfahrung nach, langsame Klavierstücke wie dieses hier:

Akustisch und elektrisch wunderbar ansprechend und interessant im Wechsel von Rhytmus, Melodie, Lautstärke und Klangfarbe! Ich gebe mein Bestes das Positive zu entdecken und nicht den Fokus auf dem Unnatürlichen zu lassen. Das Negative versuche ich mit Humor zu nehmen, z.B. muss ich bei diesem Stück mit dem wütenden Gorilla. herzhaft unter dieser Vorstellung lachen 😀

Schlecht bis gar nicht gehen Gesang (hohe Stimmen) und Streichinstrumente. Bei diesem Stück habe ich das Gefühl, dass der Sprachprozessor jeden Moment durchschmilzt und explodiert (Stelle ab 1:50) :

Der Akku des Sprachprozessors stirbt vermutlich nach 20 Minuten an Überlastung 🙂 Da feuern die Elektroden aus allen Rohren auf den Hörnerv ein Impulsgewitter ab!

Ein Orchester stellt also noch eine absolute Überforderung dar. Solche Stücke halte ich mal vorerst vom CI fern…ob das jemals klappen wird mit CI?

Voll auf die Ohren mit CI

Machen wir mal einen geschwinden, aber knallharten Genrewechsel. Mir hat es die Socken ausgezogen, als ich den Track von Benny Benassi aus Spaß gestartet habe:

Das klingt größtenteils nahezu Original im CI! Gut, wenn die Frau singt, dann klingt das nicht nach Frau (könnte auch 50 Cent sein 😀 ), nicht einmal nach einer Roboterfrau . Aber die elektrischen Geräusche kommen zum Teil im CI extrem gut rüber (z.B. ab 0:17)!!!! Unfassbar!!!!! Ein rießiges AHA Erlebnis. Auf beiden Ohren den gleichen Höreindruck, was für ein unglaubliches Gefühl! Hätte mir nicht zu träumen erlaubt, dass ich das noch in meinem Leben je wieder genießen darf! Ja, es ist möglich unter ganz bestimmten Voraussetzungen mit einem CI den gleichen Sound wahrzunehmen wie auf dem gesunden Ohr!!!! Das habe ich bisher noch nirgendwo gelesen oder gehört, aber bei dieser Stelle ist es für mein subjektives Empfinden Realität. Lang lebe die Technik und der Techno 😉

Generell lässt sich bei perkussiver Musik gut der Rhytmus erkennen:

Klingt etwas verzerrt zum Teil mit CI, aber im Intro sonst richtig gut. Manchmal, wenn zu viele akustische Eindrücke sich überlagern (z.B.1:20), geht dem CI gefühlt der Saft aus und die Klangschärfe und der Schalldruck lassen deutlich nach.

Ich lasse fürs Musik hören das CI an. Ich finde das wertet das Klangvolumen auf und ich fokusiere mich darauf. Wie macht ihr das?

Musizieren mit CI

Zu Hause nach der EA möchte ich mich wieder ans Klavier spielen wagen. Das wird mir sehr von meiner Musiktherapeutin empfohlen, da es die Neuvernetzung im Gehirn anregt (Verknüpfung elektrisches und akustisches Hören über Klang, Sehen, Erfahrung und Bewegen). Das Richtungshören kann dadurch wieder gefördert werden.

Fazit

So, das war ein breiter Schwenk durch das Thema Musik in allen akustischen Lebenslagen! Dieser Beitrag wird bestimmt in Zukunft noch viel von mir und anderen ergänzt werden.

Man merke: Was für Oma gut ist, ist auch für einen selbst gut 😀  (Wer den Artikel gelesen hat wirds verstehen)

Musik und CI kann funktionieren, es ist eine Frage der Erwartungshaltung und des persönlichen Fokus. Einseitig Taube haben zum Glück noch die Möglichkeit, das akustische Hören zu genießen und mit dem CI etwas mehr Fülle zu verleihen. Akustik- und Elektro-Ohr können sich ergänzen und sind nicht zwangsläufig im Gegensatz.

Unter ganz bestimmten Umständen kann der Höreindruck auf dem CI Ohr mit dem gesunden Ohr übereinstimmen und ein tolles Klangerlebnis stellt sich ein.

Diskutiert wird das Thema hier im Forum. Ich freue mich über Tipps und Erfahrungen rund um das Thema Musik in Verbindung mit SSD und CI!

 

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EA Tag 1: Hello World und Donaudampfschifffahrtsgesellschaft

CI - Erstanpassung und Reha

Am Vorabend reise ich bereits gemütlich an und schaue zum Einschlafen die Klassiker der Entspannung „Hänsel und Gretel“ und „300“. 🙂 Kurz nach Mitternacht fühle ich mich endlich müde genug zum Einschlafen. Einschlafprobleme trotz des tollen Ambientes des ICF bin ich ja schon gewohnt … (Vor der VU, vor dem Promontoriumstest und der Ergebnisverkündung, vor der OP)

Tag 1 des Lebens mit CI

Die Aktivierung des CIs

Was das Jahr 0 für die Christen ist, ist der heutige Tag für mein akustisches Leben. Ab nun beginnt (hoffentlich) eine neue Zeitrechnung. In meiner Erinnerung wird es immer Tage vor und nach der Inbetriebnahme des CIs geben 😉 Ist natürlich Schmarrn, wenn dann gibts die Tage vor und nach der Ertaubung, dennoch ist dieser Tag sehr wichtig für mich.

Pünktlich um 9.15 h, mit einem Frühstück gestärkt, stehe ich vor der Tür des Technikers und warte super gespannt auf die gleich folgende erste Inbetriebnahme des Implantats, vier Wochen nach der Operation! Meine Fingernägel sind nun ein gutes Stück kürzer 😉 Dem Moment des ersten Einschaltens des CI habe ich natürlich einen eigenen Beitrag gewidmet. Taubheit ade! Wie ist das erste Hören mit CI (direkt nach der Inbetriebnahme verfasst).

Logopädie

Die ersten akustischen Herausforderungen stehen nun an. Nach einer kurzen Anamnese startet eine Logopädin ein Hörtraining mit mir. Dazu werden mir kleine Karten mit Bildern vorgelegt und der Sound dazu abgespielt. Fühlt sich zunächst recht sinnlos an, da ich auf dem gesunden Ohr ja alles mitbekomme und das CI noch sehr leise geschalten ist. Besser wird das Ganze, nachdem ich die Geräusche nur noch per Datenkabel direkt auf das CI bekomme.

Was? Das war eine Katze? Ich bin mir sicher, die Arme muss zum Einen jämmerlich bei der Tonaufnahme verstorben sein. Zum Anderen hätte ich auch geglaubt, dass das eine HILTI, das Öffnen einer rostigen Schraube oder das Rammen des Eisbergs durch die Titanic ist, falls das jemand behauptet hätte. Naja, Katze also 🙂 Tiefe Frequenzen fallen mir da deutlich leichter, etwa Froschgequake oder Gewitter.

Bei der nächsten Übung werden mir zunächst Töne mit echten Instrumenten vorgespielt (Triangel, Rassel, Glocke, Trommel,…). Danach kommt wieder die digitale Variante nur über das CI. Die meisten Instrumente erkenne ich ohne Probleme, nicht am Klang im Sinne von vertrauter Tonlage, sondern anhand charakteristischer Eigenschaften. So klingt die Triangel lange aus, auch wenn sich der Ton absolut nicht nach dem hellen Klingeln einer Triangel anhört. Eine Rassel und eine Glocke sind für mich in mehreren Versuchen nicht unterscheidbar. Damit man sich das als nicht CI-Träger besser vorstellen kann, habe ich das Ganze in einer Zeichnung veranschaulicht.

Hören mit Cochlea ImplantatLinks ist der reale Klang der Instrumente Glocke und Rassel versinnbildlicht. Die Wahrnehmung ist klar mit vielen Details. In der Mitte sieht man die Wahrnehmung ohne Gehör. Außer wirrem Tinnitus, der nichts mit der Umwelt zu tun hat, ist nix los. Schließlich Rechts ist die neue Wahrnehmung mit CI. Der Tinnitus formiert sich zu etwas, über das man durch abstrahieren auf die Realität schließen kann. Doch zwischen Rassel und Glocke ist kein Unterschied feststellbar (könnte auch eine Taschenlampe sein 🙂 ).

Die finale Meisterübung des ersten Tages besteht darin, einzelne Wörter mit unterschiedlich vielen Silben nur über das CI zu erkennen. Zunächst verstehe ich absolut gar nichts, kann höchstens die Silben einigermaßen mitzählen. Doch dann habe ich aus dem Nichts zwei klare Treffer: „Eis“ und „Schokolade“ sind die ersten historischen Worte 🙂

Nach diesen ersten Erfolgen jedoch kommt der absolute Knaller: „Was, das war doch eher ein Satz als ein Wort, oder?“ ist meine erste Reaktion. Auf den Scrabble Killer „Donaudampfschifffahrtsgesellschaft“ wäre ich wirklich nie gekommen!!!! 😀

Nachmittags schaue ich beim Sozialen Dienst vorbei. Dort wird mir bestätigt, dass mehr als Grad 20 bei einseitiger Taubheit nicht vom Versorgungsamt angerechnet wird. Das ich noch Beeinträchtigungen habe durch den Verlust des linken Gleichgewichtorgans und den starken Tinnitus bewirkt da auch nichts. Denn die Beeinträchtigungen werden nicht addiert, sondern nur die Stärkste zählt. Wer sich das wieder ausgedacht hat… Erfahrungswerte, ob einseitige Taubheit als chronische Erkrankung zählt und dadurch die gesetzliche Zuzahlung bei der Krankenkasse entfallen kann, liegen keine vor (weiß das jemand von euch?)

Freizeit

Den Nachmittag stürze ich mich ins Geräuschgetümmel der Freiburger Innenstadt. Es ist zwar sehr stürmisch und der Wind bläst mir stark ins Gesicht. Doch ich freue mich heimlich wie ein König, wieder auf zwei Ohren plötzlich Windgeräusche wahrnehmen zu können!!!! Irgendwie fühle ich mich mehr in meiner Mitte wieder.

Fazit des ersten Tages

Der Höreindruck mit CI ist in Realität noch viel surrealer als in den Simulationen! Dennoch nehme ich nur sehr missmutig den Sprachprozessor zum Einschlafen am Abend ab.

Vergleich mit der Starterwartungshaltung

A) Mit dem CI hört sich alles zunächst fremd und unnatürlich an – man freut sich dennoch, dass man überhaupt wieder etwas hört.

Confirmed, wobei fremd noch etwas untertrieben ist 🙂
B) Fast alle Geräusche klingen komplett anders und man ist wohl zunächst häufig irritiert.

Busted, da ich mich schon lange nicht mehr von akustischen Informationen/Fehlinformationen irritieren lasse. Eine Folge des Verlusts vom Richtungshören
C) Richtungseindrücke lassen sich schon zu Beginn wieder etwas besser einordnen.

Busted, kann da noch nichts zuordnen.
D) Die Kopfhaut wird etwas schmerzen zwischen CI und Implantat.

Busted, habe es den ganzen Tag rastlos getragen, keine Schmerzen (3er Magnet)
E) Die Eindrücke über das CI wirken zunächst z.T. sehr laut und man ist schneller ermüdet

Confirmed, empfinde viel Lautstärke, jedoch komischerweise nicht von den künstlich erzeugten Geräuschen. Der Hörnerv muss wohl allgemein erstmal hochfahren nach dem Winterschlaf…
F) Am Ende der EA lassen sich vereinzelt Wörter verstehen

Confirmed, kann schon am ersten Tag vereinzelt Wörter nur über das CI erkennen

Mehr Austausch zum Thema hier im DCIG Forum

So sieht die OP Wunde beim ersten Pflasterwechsel aus

CI OP - Nachsorge

Das Cochlea Implantat ist eingepflanzt, die Klinik liegt hinter einem. Der Alltag zu Hause startet wieder. Was nun bis zur Erstanpassung?

In der ersten Woche bin ich noch ziemlich berührungsempfindlich rund um das OP Ohr. Ab und zu bekommt die Region leichte Schläge ab, die Naht hält (mit drei kleinen Jungs lässt sich das beim Toben nicht vermeiden 🙂 ).

Der Eiertanz rund ums Haare waschen habe ich beim letzten Mal ja bereits beschrieben.

Schwindel habe ich generell (auch nach der OP) keinen (der einzige Vorteil, wenn man kein funktionierendes Gleichgewichtsorgan auf der tauben Seite besitzt). Manche bekommen damit ziemlich zu kämpfen.

Autofahren ist mir möglich, jedoch ist das Kopfdrehen (z.B. rückwärts Einparken) etwas schmerzhaft.

Zum Ende der Woche ist ein Pflasterwechsel angesagt, da sich das Alte anfängt abzulösen. Meine Frau hilft mir dabei, alleine ist das ein rechter Blindflug. Folgendes benutzen wir dabei:

PflasterwechselMit dem Desinfektionsmittel reinigt sich meine Frau die Hände. Für das Ohr ist das abgebildete Mittel nicht geeignet! Ein Wunddesinfektionsspray wäre dafür vorteilhaft, haben wir jedoch gerade nicht da. Somit bleibt meine Wunde „unbehandelt“. Bevor das alte Pflaster entfernt wird, wird Maß für das Neue genommen und dieses abgelängt . Meine Frau schneidet noch einige Kerben hinein, damit sie die Form der C-förmigen Narbe besser abbilden kann (Kinderkrankenschwestern wissen zu optimieren 😉 ). Das alte Pflaster wird entfernt.

CI NarbeDer Schnitt scheint recht gut zu heilen, die ersten Fäden haben sich bereits aufgelöst. Es wurden gar nicht so viele Haare abrasiert wie ich dachte! Nach einer Wunddesinfektion (falls man ein solches Mittel) hat wird das neue Pflaster geklebt.

Pflaster CI

Die Kunst dabei ist möglichst wenig Haare mit einzupappen.

In der zweiten Woche ist nun erstmals wieder das Ablegen auf der OP Seite möglich, wobei es noch nicht wirklich angenehm ist. Die Spitze meines OP Ohrs fühlt sich noch immer taub an der Oberfläche an. Beim Essen bekomme ich den Mund noch nicht zu 100 % geöffnet (habe ich beim Essen von selbst gemachten Burgern deutlich gemerkt 😉 ).

Bezüglich Sport wurde mir geraten, bis nach der EA zu warten. Wie war das bei euch? Schwer Heben und andere körperlich anstrengende Tätigkeiten sind erstmal Tabu (würde mir sowieso momentan nicht in den Sinn kommen, da ich direkt Feedback vom Körper erhalte, wenn ich es übertreibe).

Schneuzen (Luft aus) sollte vermieden werden, nur schniefen (Luft ein)!

Mein Tinnitus hat sich seit der OP verändert. Während er ein Jahr lang stets auf dem gleichem Lautstärkeniveau mit hohen, wirren Tönen vor sich hin durcheinanderpiepst, verändert er nun ab und an die Lautstärke durch die Decke!  Dadurch habe ich vorerst tendenziell ein schlechteres Sprachverständnis, da der innere Gegenlärm gegen den Höreindruck des gesunden Ohres andröhnt. Hat diese Erfahrung des veränderten Tinnitus vor der Erstanpassung auch jemand von euch gemacht?

11 Tage nach OP war ich beim HNO zur Kontrolle. Sehr unspektakulär, gab einen finalen Pflasterwechsel. Die Berührungsempfindlichkeit ist noch leicht vorhanden und ein Jucken an der Narbe. Das Stechen im Ohr beim Aufstoßen ist zum Glück endlich weg.

Ich freue mich auf das Beenden der zweiten Woche, da ich dann wieder komplett Duschen kann, Pflaster nicht mehr brauche und wieder arbeiten gehe und … bald ist die Erstanpassung! Dann wird endlich der Sprachprozessor zum ersten Mal in Betrieb genommen!

Weitere Erfahrungen, wann CI Träger nach der OP das erste Mal arbeiten und Sport treiben waren und wie sich ihr Tinnitus verhielt werden hier diskutiert.

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So ist einseitige Taubheit!

So ist einseitige Taubheit!

Warum kann ein gesunder Mensch die Beeinträchtigung von einseitiger Taubheit nicht nachvollziehen („Ein Ohr funktioniert ja noch…“)?

1) Man sieht diese Beeinträchtigung niemanden an (außer der Betroffene trägt natürlich ein CI/Cros/Baha…)

2) Selbst wenn sich jemand mit zwei gesunden Ohren ein Ohr zuhält, nimmt er noch viel mit diesem Ohr wahr, denn: Der Schall wird auch über Knochenleitung weitergegeben!

Die Auswirkungen von einseitiger Taubheit für den/die Betroffene/n:

image[1]

image[5]

Die Geometrien stehen für unterschiedliche Geräuschquellen, die Farben für unterschiedliche Frequenzen, die geraden Striche für die Störeinwirkung von Tinnitus. Rechts ist es viel schwieriger, sich auf ein Geräusch (Geometrie) zu konzentrieren, denn:

=> Keine Richtungen können mehr gehört werden! Zum Richtungshören brauchen wir zwei funktionsfähige Ohren!

Empfindung aus dieser Konsequenz: Ein 2D Geräuschbrei zwängt sich durch nur noch einen Gehörgang

=> Geräuschüberempfindlichlkeit auf dem verbleibenden Ohr (Hyperakusis)!

=> Geräusche können nur durch Filter mit Gehirnleistung (mehr Konzentration) entwirrt werden, nicht mehr intuitiv über Richtungszuordnung!

=> bei spätem Gehörverlust heißt Taubheit nicht gleich Ruhe! Das ist wie wenn das Antennenkabel vom Fernseher gezogen wird und plötzlich kommt ein lautes, wildes Rauschen! Die Hardware (Gehirn+Hörnnverv) funktioniert noch, jedoch kommen keine brauchbaren Signale mehr rein, weil die Schnittstelle (Haarzellen) zerstört wurde. Ein wilder Geräuschkampf tobt (Tinnitus)!!! Taub ist lauter Kampf der wilden, umgebungsunabhängigen, permanenten Geräusche! Immer und rund um die Uhr!

=> Quelle aller Geräusche erscheint direkt vor der Ohrmuschel oder im Kopf! Keine räumliche Wahrnehmung! (fühlt sich an wie ein Sitzen in einer Schachtel)

Leider haben viele Menschen/ die Rentenversicherung/ die Krankenkassen immer noch die Einstellung, dass SSD nur eine geringe Beeinträchtigung darstellt. Dabei sprechen die Statistiken (Depression, Ermüdung etc deutlich erhöht bei SSD) für sich!

Beispiele:

Ich wurde nur mit Grad 20 vom Amt für Versorgung als Beeinträchtigung eingestuft (Verlust Gehör und Gleichgewichtsorgan einseitig, Tinnitus).

Mein Antrag auf „Mittel zur Anteilhabe am Berufsleben“ wurde von der DRV Bund für ein Cros Hörgerät abgewiesen.

Die Krankenkasse würde nur einen symbolischen Beitrag für ein Cros Versorgungsgerät zahlen (ca. 30%).

Auswirkung der einseitigen Taubheit auf den Beruf:

Als Projektleitung kommuniziere ich mit Teammitglieder/Mitarbeiter/Zulieferer und sitze viel in Besprechungen. Das bedeutet, dass ein optimaler Höreindruck sehr wichtig für meine Tätigkeit

Ohne Hilfsmittel (Cros, Baha) muss ich immer meinen Kopf gedreht halten, um einem Gespräch zu folgen.Diese veränderte Körpersprache kann vom Kommunikationspartner fehlinterpretiert werden (Arroganz, Desinteresse).

Haltungsschäden auf lange Zeit sind vorprogrammiert.

In einer Besprechung kann ich nicht gleichzeitig schreiben und zuhören, wenn auf der tauben Seite gesprochen wird, da ich meinen Kopf drehen muss.

Fazit:

Einseitige Taubheit ist belastender für die Betroffenen als man vielleicht sich als gesunder Mensch vorstellen kann (hätte ich früher auch nicht). Ich hoffe mein Beitrag kann mehr gegenseitiges Verständnis vermitteln.

 

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