VU Tag 1 – CI Hersteller – Der große CI Check

CI - Vergleich

Eine sehr freundliche Logopädin stellt mir die unterschiedlichen CIs der Hersteller Medel, Cochlear und Advanced Bionics mit Zubehör vor. Ich habe mich natürlich im Vorfeld sehr viel online informiert und verglichen (Prospekte der Hersteller bekommt man übrigens auch vom ICF im Vorfeld der VU zugeschickt), trotzdem war es sehr spannend, nun auch einmal die Hardware in den Händen zu halten.

CI Hersteller Übersicht

Das ist schon eine irre Vorstellung, dass das komplette Implantat nachher im Kopf/unter der Kopfhaut verschwindet. Erinnert mich irgendwie etwas an Matrix 🙂

CI Übersicht

Vorweg das Gute an der Qual der Wahl: man hat hier ein echtes Luxusproblem, da diese drei Hersteller alle wohl gute Produkte anbieten, die sich nicht wirklich signifikant unterscheiden.

Ich für mich persönlich bin zu folgendem Ergebnis gekommen (kurz und kompakt, Details am besten direkt bei den Herstellern auf der Homepage nachschauen):

Medel – die Innovativen

Die Sendespule (Knopf am Kopf) gefällt mir optisch und wirkt auch am schlankesten.

Die österreichische Firma erscheint aktuell aus meiner Sicht innovativ:

1) So denke ich hat die Single Core Unit (ein Gerät, nicht unterteilt in Sendespule und Ohrstück) Rondo großes Potential für die Zukunft.

Rondo

Hoffentlich (für den potentiellen CI Patienten) ist diese Idee nicht zu stark mit Patenten geschützt, damit die anderen Hersteller auch zeitnah in diese Richtung nachziehen können. Wettbewerb schadet ja nicht. Noch ist die Einheit noch recht schwer (drei Zink-Luft Batterien, warum so viele?) und muss komplett nur vom Magnet gehalten werden. Bei so einem Konzept ist doch ein leichtes Gerät umso wichtiger und nicht eines mit einer langen Laufzeit (die Kopfhaut dankt es und die kaputten Geräte wegen Ablösen werden auch weniger werden)! Des Weiteren baut der Rondo recht hoch auf, wie ich finde. In Zukunft kann dieser bestimmt noch kompakter und damit leichter werden. Der vielleicht größte Haken ist die Verwendung von nur einem Mikrofon, was nun wirklich nicht dem Standard entspricht (an der falschen Stelle gespart…). Durch den Einsatz mehrerer Mirkrofone kann die Software Störlärm und Richtungsgeräusche viel besser filtern. Diese Möglichkeit hat der Rondo glaube ich nicht. Zudem habe ich von einem Patienten gehört, dass bei ihm der Rondo immer verrutscht. Die drei schweren Batterien beeinflussen den Schwerpunkt erheblich => Das Gerät dreht sich mit der Zeit so um die Magnetachse, bis die schweren Batterien nach unten, das Mikrofon somit nach oben zeigt. Ob diese Ausrichtung des Mikrofons so vorteilhaft ist, ich weiß ja nicht…

Das soll jetzt alles nicht zu negativ klingen: Der Rondo ist eine super Idee, die bisher nur Medel in Serie hat. In Zukunft kann man denke ich noch viel von den Single Unit Prozessoren erwarten!

2) Das Implantat von Medel soll als erstes auf dem Markt bis zu 3 Tesla aushalten! Das ist zwar wahrscheinlich selten von wirklichem Nutzen (mir fällt spontan nur MRT ein, wo sonst hat man so ein gigantisches Magnetfeld?!) für den Patienten ist es trotzdem eine super Sache die man gerne mitnimmt.

Die Fernbedinung des CI wirkt recht schlicht und hat kein Display. Der Elektrodenstrang des Implantats soll wohl der längste auf dem Markt sein (Wer hat den Größten?!) und dadurch sollen tiefe Töne besser wiedergegeben werden können. Über den Sinn von weiteren technischen Features (Elektrodenanzahl, Software etc) scheiden sich ja bekanntlich die Geister und daher möchte ich das auch nicht unbedingt kommentieren.

Cochlear – die Bewährten

Der Platzhirsch unter den Herstellern, der weltweit statistisch 7 von 10 Implantaten stellt (laut Cochlear). Die australischen Pioniere glänzen mit einem sehr großen Erfahrungsschatz auf dem Gebiet CI.

Der Nucleus 6 ist das Flaggschiff des Konzerns und besitzt einen 5mal mehr leistungsfähigen Prozessor wie der Vorgänger. Beim Telefonieren wird das induktive Signal des Telefons/Handy automatisch erkannt und auf die Telefonspule umgeschalten.

Der größte theoretische Wurf ist die Bluetoothfähigkeit zum Verbinden mit Handy, Navi, etc. Theoretisch deshalb, weil die Hardware das können soll, die Software dazu aber noch nicht existiert (!!!!!!).

 

Advanced Bionics – die jungen, technisch Wilden

Die amerikanische Firma macht einen sehr sportlichen Eindruck und richtet sich an ein junges Publikum.

So kann der schmale Prozessor Naida „freestyle“ im Haar, am Kragen oder sonstwo getragen werden. Eines der Mikrofone hängt im Ohr vor dem Gehörgang. Nutzen: Geräuschaufzeichnung am natürlichen Schalleintrittspunkt und telefonieren mit üblicher Telefonposition am Ohr (nicht hinter dem Ohr, ET telefonieren nach Hause 🙂 )

Der Prozessor Neptune soll wohl auch ohne Zusatzhülle scheinbar wasserdicht sein.

Noch hat diese Firma nicht übermäßigen Marktanteil in Deutschland, ich denke, sie hat aber viel Potential für die Zukunft.

Ich persönlich hätte am liebsten von jedem Hersteller etwas:

Die Qualität und das Bluetooth von Cochlear

einen Single Unit Prozessor von Medel

und das hängende Mikro und das wasserdichte Gehäuse von AB

Noch zum Abschluss ein Blick in die nähere Zukunft:

Was mir noch fehlt ist folgendes bei allen CIs:

1) Warum Fernbedienung?! Ich wünsche mir eine App fürs Handy, mit der ich das CI einsehen und einstellen kann (bei Hörgeräten gibts das ja schon)

2) WLAN Fähigkeit

3) Unauffällige Single Unit Einheit

4) Individuelles Gehäusedesign (3D Drucker?)

 

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VU Tag 2 – CI Showdown – Das habe ich beim besten Willen nicht erwartet!

CI - Voruntersuchung

Nun ist es soweit: 14.30 h, HNO Klinik 8. Stock, das Schicksalstreffen mit einer der weltweit führenden Experten für SSD Patienten, Frau Prof. Dr. med. Susan Arndt. Wie lautet Ihre Auswertung der Ergebnisse und ihr fachkundiges Urteil? Ist ein CI bei mir medizinisch indiziert?

Pünktlich werde ich ins Arztzimmer von dem mir bekannten Arzt gebeten. Meine Frau ist ebenfalls extra angereist, um bei dem entscheidenden Gespräch mit dabei zu sein. Statt einer erwarteten großen unpersönlichen Runde empfängt uns die sehr sympathisch wirkende Spezialistin zu einem intensiven Gespräch. Sie erklärt mir die Faktenlage und zeigt die Cochlea mit Ihren lokalen Verknöcherungen in den MRT/CT Aufnahmen. Das klingt alles nicht so gut finde wie ich es gerne hätte und Enttäuschung steigt in mir auf.

Dann kommt ihr Fazit: Die Verknöcherung ist im Gange, ich bin schon spät dran für ein CI 😦 Jedoch haben wir noch gute Chancen und der Promotoriumstest war weitaus besser als es die visuellen Aufnahmen im Vorfeld haben vermuten lassen.

Sie sieht eine medizinische Indikation für gegeben bei mir. Yes, welche Erleichterung nach all den Höhen und schwindelerregenden Tiefen im Vorfeld und während der VU!

Jedoch, falls ich ein CI möchte, sollten wir schnell handeln. Ich mache einen Witz und sage, ich könne ja gleich hier bleiben. Sie schaut mich plötzlich sehr ernst an und sagt: „Ich habe den OP bereits übermorgen für Sie reserviert. Sie können direkt bleiben, wenn Sie wollen“ Ruummmmms, was für ein Brecher für meine Frau und mich, damit haben wir nicht gerechnet. Mein ganzes Gepäck ist bereits im Auto verstaut und ich war sicher heute zu meinen Kindern nach Hause zu fahren. Jedoch bin ich erleichtert und bedanke mich sofort und sage zu.

Zur Information wie es sonst meistens laufen kann:

Man bekommt einige Wochen nach der VU einen Brief von der Klinik, in dem steht, dass ein CI medizinisch indiziert ist. Diesen trägt man zur Krankenkasse, die gerne einmal grundsätzlich ablehnt. Dazu braucht es natürlich auch Bearbeitungszeit. Danach reicht man die Ablehnung zurück an die Klinik, die nochmals mit Nachdruck die medizinische Notwendigkeit bestätigt. Ist dieses Schreiben verfasst geht es zurück an den medizinischen Dienst der Krankenkasse, etc bis irgendwann nach Wochen und Monaten eine Bestätigung vorliegt.

Daher kann man vermutlich meine Erleichterung nachvollziehen, die sich aus der außergewöhnlichen Möglichkeit einer schnellen OP ergibt. Mit jedem Tag warten, bis das Wasser auf die bürokratischen Mühlen geflossen ist, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass ein CI zum Erfolg führt. Nach den Fehlinformationen meines ehemaligen HNO Arztes im Vorfeld, dass ich ja Jahre statt Monate Zeit hätte für eine Entscheidung, habe ich wahrlich genug Zeit bereits verloren. Die schnelle OP kommt zwar überraschend, aber genau richtig! Riesengroßen Dank dafür nochmals an Prof. Laszig, Prof. Arndt und ihr Team!

Die schwierige Entscheidung, welches Implantat von welchem Hersteller muss ich erst gar nicht treffen. Mir wird das Produkt des australischen Herstellers und (nach eigenen Angaben) Marktführers Cochlear empfohlen, da diese verhältnismäßig steife Elektroden besitzen. Damit wurden am ICF die besten Ergebnisse bei Verknöcherungen erzielt. Ich stimme natürlich zu, auch wenn ich ursprünglich einen anderen technischen Favoriten hatte.

Nach einem intensiven Gespräch mit meiner Frau verabschiede ich sie und gehe mit meinem Koffer zurück ins gute alte ICF, um übermorgen operiert zu werden, verrückt. Zum Glück hatte ich etwas mehr Kleidung als nötig dabei 🙂

VU Tag 2 – Promontoriumstest – Elektrode durchs Trommelfell

CI - Voruntersuchung

Die Nacht war ziemlich mies, ich war recht angespannt. Nach  Audiologietests mit Cros und BAHA war es so weit, das Schreckgespenst meiner Recherchen stand mir bevor: Der Promontoriumstest! Und dann auch noch die Entscheidung, ob ein CI medizinisch bei mir indiziert ist oder nicht. Zunächst aber zum finalen Test:

Durch einen Schnitt im Trommelfell wird eine Elektrode ins Innenohr geführt und stimuliert die Hörnervenbahnen (oder auch nicht). Da ich schmerzhafte Erfahrungen bei meiner letztjährigen Entzündung auf meiner tauben Seite machen musste, reagiert mein Körper immer noch hypersensibel bei Berührung des tauben Ohrs, va. IM tauben Ohr. Da wird jedes Ohrausputzen zur Überwindung. Daher ist das Einschneiden des Trommelfells für mich eine recht beunruhigende Vorstellung, zumal man nur eine Schmerzlinderung und keine Betäubung erhält. Lange Rede kurzer Sinn, meine Befürchtungen waren völlig übertrieben. Man bekommt eine betäubende Flüssigkeit aufs Trommelfell. Beim Eingriff selbst habe ich persönlich vom Schnitt nichts gemerkt, das Einschieben der Elektrode hat lediglich einen leichten Druck ausgeübt. Dann war es so weit: Der Hörnerv wird stimuliert… und plötzlich taucht aus dem tosenden Meer der hohen Tinnitustöne ganz eindeutig ein dumpfes, aber zyklisches Clack…Clack…Clack auf. Wahnsinn! Es wird lauter und lauter, übertönt schließlich den Tinnitus und ist ganz deutlich zu hören. Ein gutes Zeichen! Nimm das Verknöcherung 🙂 Sowohl tiefe als auch hohe Töne kann ich wahrnehmen, bis zu jeweils einer Schwelle, bei der die Stromimpulse zu ungemütlich werden. Dann wird abgebrochen auf mein Zeichen und der Wert notiert. Die tiefen Töne kann ich besser wahrnehmen. Das liegt zum einen daran, dass mein Tinnitus sehr laut ist und aus hohen Tönen besteht. Somit kann ich hohe Töne erst bei starker Intensität herausfiltern. Des Weiteren deckt sich das Ergebnis ganz gut mit meinen CT und MRT Aufnahmen, da dort eine teilweise Verknöcherung des äußeren Cochlea-Ganges zu erkennen ist. Dort sitzt die Wahrnehmung der hohen Töne. Die nachgelassene Betäubung und das damit verbundene kurzzeitige Zwicken beim Entfernen der Elektrode kann ich ohne Probleme verkraften, denn das Ergebnis dieses Tests ist positiv ausgefallen! Das war für mich nach den CT und MRT Aufnahmen nicht unbedingt zu erwarten.

Merke:

Nicht von einzelnen Testergebnissen demotivieren lassen, da das Gesamtbild entscheidend ist.

Der Promontoriumstest wird von jedem unterschiedlich schmerzhaft bis gar nicht schmerzhaft wahrgenommen. Für mich persönlich war er lediglich mit einem kurz gefühlten Zwicken beim Entfernen der Elektrode verbunden. Bei Weitem nicht so unangenehm wie ich es befürchtet hatte…

Nun habe ich alle Prüfungen der VU hinter mir. Wie wird nun meine Zukunft aussehen? Auf jeden Fall kann ich, zum Leidwesen meiner Frau, die nächsten drei Tage meine Haare nicht waschen 😀 Loch im Trommelfell heißt: Hüte es vor Wasser!

VU Tag 1 – CT und MRT auwehauweh

CI - Voruntersuchung

Von der HNO geht es weiter in die Neuroklinik, um das Innere meines Schädels näher kennen zu lernen.

Tipp Wartezeit:

Ich war bei meinen Terminen stets früher vor Ort und wurde auch immer früher als geplant aufgerufen.

Musste sowieso erstaunlich wenig warten. Ich kann das also nur empfehlen, da es so stressfreier ist den Terminplan einzuhalten.

Zur Differenzierung für Laien wie mich: CT ist zur Visualisierung des Skeletts, MRT zur Visualisierung des Gewebes. CT hart, MRT weich…

Das CT (Wikipedia Computertomographie) ist recht unspektakulär und so nahm ich mit Bleiwesten geschützt (vielleicht sollen es ja doch noch mehr als drei Kinder werden 🙂 ) meine Strahlendosis entgegen.

Kurz nach dem CT wird mir leider von meinem Arzt mitgeteilt, dass die befürchtete Verknöcherung der Cochlea bereits eingesetzt hat. Innerlich fluchend lasse ich mir Blut abnehmen und Laufe zum MRT.

Auch dort musste ich nicht lange Warten, nachdem ich meinen Gürtel und mein Handy eingeschlossen hatte. Für das MRT (Wikipedia Magnetresonanztomographie) kommt man auf eine Liege, die in eine Röhre einfährt. Sinnloser Weise besteht das Personal darauf, dass ich auch in mein taubes Ohr einen Geräuschschutz einführe (Saftey first!). Währenddessen das Magnetfeld mit viel Lärm um mich rotiert (nehme ich an, zuordnen kann ich es mit einem Ohr ja nicht) denke ich darüber nach, dass diese Untersuchung wohl nicht mehr so einfach mit CI geht.

CI Träger müssen (wurde mir gesagt) u.a. zusätzlich den Magneten mit einem Druckverband fixiert bzw. den Magneten durch einen kleinen Hautschnitt entfernt bekommen vor der Untersuchung. Medel wirbt auch seit 2014 mit einem bis 3 Tesla einsetzbarem Implantat, zu dem ich aber keine Details vorliegen habe. Ich habe auch von Ärzten erfahren, dass es schon Fälle gab, bei dem sich CI Träger in die Röhre legten ohne auf das Implantat hinzuweisen, AUTSCH!

Ein kleiner Spiegel (45° abgewinkelt) über den Augen hat einen unglaublich tollen psychologischen Effekt. Im Vergleich zu MRTs ohne diesen fühlt kann man nach draußen über seine Füße sehen und fühlt sich viel weniger eingeengt. Ein super Beispiel für geringe Kosten, große Wirkung!

Erstaunlicherweise wird für die Aufnahme kein Kontrastmittel bei mir benötigt. Die Leber dankt`s!

Der MRT Befund dient normalerweise zum Ausschluss eines Tumors als Ursache für die Ertaubung. Bei mir soll der Zustand der teilweise verknöcherten Cochlea näher bestimmt werden. Die Ergebnisse bekomme ich leider erst am nächsten Tag bei der Chefvorstellung. Somit steht mir eine sehr unruhige Nacht bevor, zumal ich ziemlich angespannt bin wegen des Promontoriumtests…. Dazu später mehr

VU Tag 1 – Cros vs. BAHA – Kampf der Systeme

CI - Voruntersuchung

Um auch über alternative Möglichkeiten als Patient zum Cochlea aufgeklärt zu werden, bekommt man die Möglichkeit, ein Cros- bzw. ein BAHA Versorgungsgerät mit Leihgeräte zu testen.

Beide Geräte haben das Ziel, den ankommenden Schall an der tauben Seite auf das gesunde Ohr zu übertragen und somit eine beidseitige Ansprechbarkeit zu gewährleisten. Mit viel Übung kann man auch ein grobes Gefühl für Richtungen indirekt über Klangdifferenzen erlernen.

Das Cros-Versorgungsgerät besteht aus zwei „Hörgeräten“, die hinter das Ohr gehängt werden. Das hinter dem tauben Ohr ist ein Mikro, das die Daten per Funk an das Gerät hinter dem gesunden Ohr überträgt. Wenn ich einmal Zeit finde, schreibe ich einen ausführlichen Erfahrungsbericht über die Hersteller, Ausführungen und Eigenschaften, da ich selbst ein halbes Jahr diese Geräte getestet und modifiziert habe.

Das BAHA (Bone Anchored Hearing Aid, Knochenleitungshörgerät) ist ein kleines Gerät, das hinter dem Ohr am Knochen verankert wird (per Schraube oder implantierten Magnet). Ein Mikrofon erfasst den Schall und gibt diesen über Vibrationen über den Knochen weiter ans gesunde Ohr weiter. Vorteil: etwas unauffälliger als ein zweiteiliges Cros. Dafür ist die Klangqualität nach meinem Empfinden etwas schlechter und die Anbindung erfordert einen einmaligen Eingriff.

Aber keine Angst: das BAHA kann mit einem Stirnband auch Probe getragen werden 😉 (Vielleicht ist die Klangqualität mit einer Schraube besser, schreibt mir das mal, falls ihr so ein System tragt). Die Leute schauen zu meinem Amüsement recht verdutzt, wie ich den ganzen Tag mit meinem modischen Stirnband durch die HNO Klinik wandle 😀

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Das Cros-Versorgungsgerät erhalte ich bei einem sehr freundlichen Herren im ICF. Ich finde generell die VU sehr gut im ICF aufgebaut, da man bereits im Vorfeld alle relevanten Therapeuten und Ärzte kennenlernen kann und sich nachher beim Eingriff und der anschließenden Reha schneller vertraut fühlt. Das Cros taugt mir wesentlich besser als das BAHA. Das liegt wohl daran, dass ich mit diesem schon ein halbes Jahr trainiert habe. Zudem drückt das Stirnband ziemlich auf den Schädel nach einiger Zeit.

Mit beiden Geräten ist es ein schönes Empfinden, wieder akustisch den Eindruck eines umfassenden Klangs näherungsweise zu erhalten ohne Schallschatten. Leider können diese Systeme bei Tinnitus, Richtungshören, Sprachverständnis im Störlärm und Wahrnehmung auf dem tauben Ohr im Vergleich zum Potential eines Cochleas nicht wirklich weiterhelfen. Aber, besser als nichts!

Die Tests beim Audiologen werden mit den beiden Hörsystemen wiederholt. Eine leichte Verbesserung kann ich im Vergleich zu den Tests ohne Hilfen damit erzielen. Mit dem Cros schneide ich am besten ab, was mich aufgrund des halbjährigen Trainings nicht überrascht.

VU Tag 1 – Audiologie – Ich nix verstehen

CI - Voruntersuchung, Mein Weg zum CI

Nachdem ich einen Übersichtsplan bekomme, bahne ich mir meinen Weg zur nicht weit entfernten HNO Klinik.

Übersicht Uniklinik freiburg

Das Gebäude ist aufgrund seiner Höhe gleich zu erkennen. Es scheint viel genutzt zu sein, da das Hauptgebäude um viele containerhafte Anbauten erweitert ist. Vom Haupteingang aus gehe ich die vom EG ins HG und immer gerade aus in die HNO Ambulanz. Dort biegt man den Pfeilen auf dem Boden folgend nach rechts in ein Treppenhaus ab und geht wieder ein Stockwerk tiefer. Schon kommt man am Wartebereich der Audiologie heraus. Doch was ist da?! Wieder fühle ich mich als Mann benachteiligt (vgl „kein DMAX“, bitte nicht zu ernst nehmen…)! Auf dem Tisch liegen nur Frauenzeitschriften! Lieber Gleichstellungsbeauftragte, legen Sie doch auch mal ein paar andere Zeitschriften dazu 🙂

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Das ich mich darüber beschwere zeigt, wie hoch das Niveau der Klinik eigentlich ist, wenn man sonst über nichts so wirklich lästern kann. Immerhin habe ich netterweise ein Buch im ICF für meinen Aufenthalt mitbekommen (dickes Lob), mit dem ich mir  die Zeit vertrieb (Cochlea- und Mittelohrimplantate, Prof. Dr Marion Hermann-Röttgen, Trias Verlag). Leider lese ich in diesem Buch etwas über die VU, das meine Hände ziemlich schwitzen lässt, aber dazu später. Akte auf die markierte Halterung ablegen nicht vergessen, sonst wartet man vermutlich lange.

Audiologie Freiburg

Beim Audiologen wird meine Hörfähigkeit, das Sprachverständnis im Störlärm und das Richtungshören getestet. Da heißt es ordentlich konzentrieren. Die Ergebnisse sind wenig überraschend für mich: links taub, schlechtes Verstehen im Störlärm und schlechtes Richtungshören (Kann ja nur über die Lautstärke der Geräusche mutmaßen, woher diese stammen könnten). Die Sätze im Störlärm ergeben häufig überhaupt keinen Sinn und ich muss mir das Schmunzeln bei meinen Reproduktionen unterdrücken „Ute malt 14 schwere Blüten“ etc…

Das Interessante an diesen Tests ist, dass sie sowohl mit einem Cross-Versorgungsgerät, einem BAHA und evtl mit einem CI durchgeführt werden. Somit hat man einen einigermaßen Objektiven vergleich der Leistungsfähigkeit der einzelnen Systeme.

VU Tag 1 – Aufnahme mit Schock

CI - Voruntersuchung

Nach dem Frühstück gebe ich meinen ausgefüllten Essensplan ab. Schon wieder neues freundliches Personal. Wahnsinn, ob die hier alle so nett sind? Das kenne ich gar nicht aus anderen Kliniken… Anschließend habe ich meine ersten Infogespräche mit einer Mitarbeiterin der HNO Klinik und meinem betreuenden Arzt. In aller Kürze erzähle ich ihm meine Vorgeschichte. Da bereits ein MRT nach meiner Erkrankung gemacht wurde und ein Tumor für die Ertaubung ausgeschlossen wurde, wird das Blutabnehmen und das MRT gestrichen. Als ich jedoch erwähne, dass ein Virus mutmaßlich die Ursache für meine einseitige Ertaubung vor ziemlich genau einem Jahr ist, wird sein freundliches Gesicht schlagartig angespannt. Er klärt mich auf, dass die Uniklinik bei solchen Patienten sehr schnell normalerweise operiert, da es zu einer Verknöcherung der Cochlea kommen kann. Mit zunehmender Verknöcherung werden die Erfolgschancen eines CIs immer geringer.

„So ein Mist! Reicht es nicht aus, dass ich einseitig ertaubt bin und ein halbes Jahr brauchte, um einigermaßen wieder auf die Beine zu kommen?! Soll nun die Chance auf eine Verbesserung meiner Situation nichts wissend verstrichen sein?!?! Diese signifikante Information habe ich bisher nie von den HNO Ärzten bekommen und habe sie auch nicht bei meinen eigenen Recherchen online so gelesen. Hätte ich doch nur nicht so lange gezögert mit der Entscheidung, ein Cochlea zu wollen! Mein damaliger HNO Arzt meinte, es ist eine Sache von Jahren, nicht von Monaten. Vielen Dank für diese Fehlinformation…

Hinweis:

Bei Ertaubung durch einen Virus ist möglicherweise Eile mit einem CI geboten, da es zu einer Verknöcherung der Cochlea kommen kann!

Mein Arzt beschließt, dass wir trotzdem das MRT machen, wenn das CT schlecht ausfallen sollte.

Info:

CT visualisiert Skelettstrukturen

MRT visualisiert Gewebe

Mit mulmigen Gefühl geht die Aufnahme für mich zu Ende…

VU – Die Unterkunft – Sender des Herren statt Herrensender!

CI - Voruntersuchung

Am Sonntag Abend klingel ich am Eingang von Haus drei und werde freundlich empfangen. Das Gebäude ist neu errichtet und macht einen sehr sauberen und modernen Eindruck. Eine Zimmer- und eine Essenkarte zum Ausfüllen erhalte ich. Hier hat man die Qual der Wahl beim Essen, Daumen hoch. Auf dem Zimmer angekommen, bestätigt sich der sehr positive Eindruck. Abgesehen von einigen Kleinigkeiten erinnert das Zimmer mehr an ein Hotel als an ein Krankenhaus. Ein 32 Zoll Flachbildschirm fängt meinen Blick beim Eintreten. Ein Patienten- und ein Begleitpersonbett stehen bereit. Zudem findet sich Infomaterial über das ICF und die Abläufe hier in der Schreibunterlage auf einem Tisch.

Auszug Infomaterial ICF

Nach einer Dusche lese ich mich etwas ein und fülle die Essenskarte für meinen Aufenthalt aus.

Tipp Internet:

Per Ethernetkabel (gibts an der Anmeldung) kann man im ICF kostenlos surfen

Bei einer Probe des Fernsehers fällt mir auf, dass es zwar 32 Sender gibt, davon drei religiöse Sender, aber kein DMAX?! Ich will den Herrensender und nicht die Sender des Herren…. Naja, dieses Problem ist zum Glück nicht weltbewegend 🙂